Die folgenden Geschichten basieren auf realen Erfahrungen aus meiner Praxis, wurden jedoch anonymisiert und verändert. Sie dienen als Inspiration für Veränderung und ersetzen keine professionelle Beratung.
Zusammenfassung:
-
Erkennen Sie 17 subtile Anzeichen schwindender sexueller Anziehung: Entdecken Sie alltägliche Hinweise wie verminderte körperliche Nähe oder das Gefühl, Ihr Partner sei nur noch ein Mitbewohner – und verstehen Sie, wann Schmetterlinge zu Routine geworden sind.
-
Verstehen Sie, warum sich sexuelle Anziehung verändert: Lernen Sie, wie Faktoren wie Stress oder Gewöhnung die Anziehung beeinflussen können, um Ihre Beziehungsdynamik ohne Panik einzuschätzen.
-
Handeln Sie mit professioneller Unterstützung: Wenn Anzeichen geringer sexueller Anziehung anhalten, erkunden Sie Schritte wie Paartherapie, um die Leidenschaft neu zu entfachen oder gemeinsam die nächsten Schritte zu planen.
Wenn die Schmetterlinge schweigen
“Früher hat mich allein sein Blick elektrisiert. Jetzt fühle ich… nichts mehr.”
Diese Worte von Anna, 38, hallten noch lange in meinem Beratungsraum nach. Sie saß vor mir, die Hände nervös ineinander verschränkt, und beschrieb einen schleichenden Prozess, den viele Paare kennen: Die sexuelle Anziehung, die einst so selbstverständlich war, ist leise verschwunden.
Es war ein Dienstagabend, als Anna und ihr Mann Michael nach acht Jahren Ehe zu mir kamen. Das Ehepaar wirkte auf den ersten Blick harmonisch – höflich, respektvoll, aber irgendwie… leblos. Wie zwei gut einstudierte Schauspieler, die ihre Rollen perfekt beherrschten, aber den Text ohne Emotion vortrugen.
“Wir funktionieren gut zusammen”, erklärte Michael, 41. “Wir teilen uns die Hausarbeit, verstehen uns bei den Kindern, diskutieren selten. Aber wenn ich ehrlich bin…” Er hielt inne und suchte Annas Blick. “Wenn ich abends meine Hand auf deine Schulter lege, ziehst du dich zurück. Nicht offensichtlich, aber ich spüre es.”
Anna nickte kaum merklich. “Es ist nicht so, dass ich dich nicht mehr liebe. Aber die Anziehung? Der Funke? Ich weiß nicht, wo er geblieben ist.”
“Ich weiß nicht, wo der Funke geblieben ist.”
Dieses Gespräch war der Beginn einer längeren therapeutischen Reise, die mir – und dem Paar – zeigte, wie subtil und schleichend sexuelle Anziehung in langjährigen Beziehungen verschwinden kann. Nicht mit einem Knall, sondern wie Sand, der durch die Finger rinnt.
In meiner Praxis als Psychologe für Paarberatung mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung begegne ich diesem Phänomen regelmäßig. Paare, die sich lieben, die sich respektieren, die gemeinsame Ziele haben – und die dennoch spüren, dass etwas Fundamentales fehlt. Die körperliche Leidenschaft, die einst ihre Beziehung beflügelte, ist zu einer fernen Erinnerung geworden.
Lassen Sie mich Ihnen von meiner eigenen Erfahrung erzählen: Auch in meiner Ehe gab es Phasen, in denen die Anziehung nachließ. Nach der Geburt unseres ersten Kindes waren wir beide so erschöpft, dass Intimität zur Pflichtübung wurde. Ich erinnere mich an einen Abend, an dem meine Frau zu mir sagte: “Ich fühle mich wie deine Mitbewohnerin, nicht wie deine Partnerin.” Diese Worte trafen mich tief – weil sie wahr waren.
Erst als wir begannen, diese Distanz bewusst zu betrachten und darüber zu sprechen, konnten wir Schritte zur Veränderung einleiten. Diese persönliche Erfahrung hat mir geholfen, Paare mit noch mehr Empathie zu begleiten, denn ich weiß: Dieser Schmerz ist real, und er ist heilbar.
In diesem Artikel möchte ich Ihnen 17 subtile Anzeichen vorstellen, die darauf hinweisen, dass die sexuelle Anziehung in Ihrer Beziehung nachlässt. Mehr noch: Ich möchte Ihnen zeigen, warum das passiert und wie Sie diesen Prozess umkehren können.
Die 17 Anzeichen: Wenn Leidenschaft zu Routine wird
“Woran merke ich überhaupt, dass die Anziehung verschwindet?” Diese Frage höre ich in fast jeder zweiten Paarberatung. Die Antwort ist komplex, denn es geht nicht um ein einzelnes dramatisches Ereignis. Es sind die leisen Veränderungen, die sich über Monate oder Jahre aufbauen.
Stellen Sie sich sexuelle Anziehung wie einen Garten vor: Anfangs blüht er wild und farbenfroh, ohne dass Sie viel tun müssen. Doch ohne regelmäßige Pflege – ohne Bewässerung, ohne Unkrautjäten, ohne frische Erde – verwildert er langsam. Unkraut überwuchert die Blumen. Der Boden wird hart. Was einst lebendig war, wirkt grau und vernachlässigt.
Lassen Sie mich die 17 Anzeichen im Detail beschreiben, anhand echter Beispiele aus meiner Praxis:
1. Sie weichen körperlicher Berührung aus
Sarah, 35, beschrieb es so: “Wenn Thomas abends auf dem Sofa nach meiner Hand greift, erfinde ich Ausreden. ‘Ich muss noch schnell die Spülmaschine ausräumen’ oder ‘Lass mich kurz meine Nachrichten checken.’ Es ist nicht böse gemeint, aber seine Berührung fühlt sich… unangenehm an.”
2. Küsse fühlen sich mechanisch an
Michael, der Mann von Anna aus der Einleitung, sagte: “Unsere Küsse sind wie Pflichtküsse beim Abschied – kurz, oberflächlich, ohne Emotion. Früher haben wir uns minutenlang geküsst. Heute? Ein schneller Peck auf die Wange.”
3. Sie empfinden Gleichgültigkeit statt Verlangen
Lisa, 42, gestand: “Wenn mein Mann sich für einen Abend zu zweit schick macht, spüre ich… nichts. Kein Kribbeln im Bauch, keine Aufregung. Nur die Gedanken an meine To-Do-Liste für morgen.”
4. Fantasien kreisen nicht mehr um Ihren Partner
“Ich ertappe mich dabei, wie ich an andere Menschen denke”, sagte Anna leise, mit gesenktem Blick. “Nicht, weil ich fremdgehen will. Aber wenn ich mir Intimität vorstelle, ist Michael nicht mehr die Hauptfigur.”
5. Sie finden ständig Ausreden, um Intimität zu vermeiden
Thomas, 39: “Kopfschmerzen, Müdigkeit, Stress auf der Arbeit – Sarah hat immer einen Grund. Anfangs habe ich es geglaubt. Inzwischen weiß ich: Es sind Ausreden, um mir aus dem Weg zu gehen.”
6. Körperliche Erregung bleibt aus
Anna beschrieb es mit zitternder Stimme: “Selbst wenn wir intim werden, ist mein Körper nicht dabei. Es fühlt sich an wie eine Pflichterfüllung, nicht wie Lust.”
7. Sie ziehen Zeit allein der gemeinsamen Zeit vor
“Ich freue mich regelrecht, wenn Michael Überstunden macht”, gestand Anna. “Dann kann ich abends allein auf dem Sofa sitzen, ohne das schlechte Gewissen, dass ich seine Nähe meide.”
8. Sie empfinden Erleichterung, wenn Intimität nicht stattfindet
Sarah: “Wenn Thomas müde ins Bett geht und sofort einschläft, atme ich auf. Keine Erwartungen, kein Druck. Nur ich und mein Buch.”
9. Sie fixieren sich auf die Fehler Ihres Partners
Lisa: “Plötzlich nervt mich alles an ihm. Die Art, wie er beim Essen kaut. Sein Lachen. Sogar sein Geruch. Dinge, die ich früher geliebt habe, irritieren mich jetzt.”
10. Sie fühlen sich von anderen Menschen angezogen
Michael: “Ich habe neulich eine Kollegin kennengelernt. Wir haben nur über Arbeit gesprochen, aber ich habe gemerkt, wie mein Herz schneller schlug. Das war… verwirrend. Und erschreckend.”
11. Sie meiden bewusst Zeit zu zweit
Anna: “Ich fülle unseren Terminkalender mit Freunden, Familientreffen, Verpflichtungen – alles, um nicht allein mit Michael sein zu müssen.”
12. Sie initiieren keine Intimität mehr
Thomas: “Ich kann mich nicht erinnern, wann Sarah das letzte Mal den ersten Schritt gemacht hat. Früher war sie oft diejenige, die mich verführt hat.”
13. Ihr Partner fühlt sich wie ein Mitbewohner an
“Wir teilen uns eine Wohnung, Rechnungen, Routinen”, sagte Anna. “Aber es fühlt sich an wie eine Zweckgemeinschaft, nicht wie eine Liebesbeziehung.”
“Es fühlt sich an wie eine Zweckgemeinschaft, nicht wie eine Liebesbeziehung.”
14. Sexuelle Fantasien über Ihren Partner sind selten geworden
Sarah: “Früher habe ich tagsüber an ihn gedacht und mich auf den Abend gefreut. Heute? Diese Gedanken tauchen gar nicht mehr auf.”
15. Intimität langweilt Sie
Lisa: “Selbst wenn wir Sex haben, fühlt es sich routiniert an. Wie Zähneputzen – etwas, das man eben macht.”
16. Sie priorisieren andere Aktivitäten über Zeit mit Ihrem Partner
Michael: “Anna verbringt lieber Stunden in ihrem Fitnessstudio oder mit Freundinnen, als mit mir auf dem Sofa zu kuscheln.”
17. Sie vermissen Ihren Partner nicht, wenn Sie getrennt sind
Anna: “Wenn Michael auf Geschäftsreise ist, fühle ich mich… erleichtert. Ich vermisse ihn nicht. Das erschreckt mich.”
Diese 17 Anzeichen sind keine isolierten Symptome. Sie bauen aufeinander auf, verstärken sich gegenseitig und schaffen eine Dynamik, die immer schwieriger zu durchbrechen ist. Aber – und das ist die gute Nachricht – sie sind nicht unumkehrbar.
Kommen Ihnen diese Muster bekannt vor?
Wenn Sie sich in diesen Beschreibungen wiedererkennen, sind Sie nicht allein. Als erfahrenes Team von Psychologen für Paarberatung auf hallopsychologe.de begleiten wir Paare dabei, ihre Intimität und Verbindung wiederzufinden.
In einem unverbindlichen Erstgespräch können wir gemeinsam Ihre Situation besprechen und herausfinden, welche Schritte für Sie sinnvoll sind.
Warum verschwindet sexuelle Anziehung? Die verborgenen Ursachen
“Aber warum passiert das überhaupt?” fragte Anna in unserer dritten Sitzung. “Wir hatten doch mal eine leidenschaftliche Beziehung. Was ist schiefgelaufen?”
Diese Frage ist berechtigt – und die Antwort ist vielschichtig. Sexuelle Anziehung verschwindet selten grundlos. Meist liegen tiefere emotionale, psychologische oder situative Faktoren zugrunde.
Die Neurobiologie der Anziehung
Lassen Sie mich zunächst erklären, was in unserem Gehirn passiert: In der Anfangsphase einer Beziehung schüttet unser Körper eine Flut von Hormonen aus – Dopamin, Oxytocin, Adrenalin. Diese biochemische Cocktail-Mischung lässt uns die berühmten Schmetterlinge im Bauch spüren.
Doch nach etwa 18 bis 24 Monaten normalisiert sich dieser Hormonhaushalt. Das ist völlig normal und sogar evolutionär sinnvoll – unser Körper kann nicht dauerhaft in diesem Ausnahmezustand bleiben. Die berauschende Verliebtheit weicht einer tieferen, stabileren Bindung.
Problematisch wird es, wenn wir diese natürliche Entwicklung mit dem Ende der Anziehung verwechseln. Wenn wir nicht aktiv an der Aufrechterhaltung der Intimität arbeiten, kann die Anziehung tatsächlich verschwinden.
Emotionale Distanz: Die unsichtbare Mauer
Bei Anna und Michael stellte sich in unseren Sitzungen heraus, dass emotionale Entfremdung der Hauptgrund für ihre nachlassende Anziehung war. Michael arbeitete oft bis spät abends, Anna fühlte sich zunehmend allein gelassen.
“Ich habe ihm immer wieder gesagt, dass ich mehr Zeit mit ihm verbringen will”, erzählte Anna. “Aber er hat es nicht ernst genommen. Irgendwann habe ich aufgehört zu fragen. Und mit jedem Tag, an dem wir uns emotional weiter entfernten, schwand auch die körperliche Anziehung.”
Diese unsichtbare Mauer aus unausgesprochenen Bedürfnissen, ungelösten Konflikten und Enttäuschungen baut sich oft über Jahre auf. Sie ist wie eine Schicht aus gefrorenem Eis, die sich zwischen zwei Menschen legt.
Stress und Erschöpfung: Die Energieräuber
Sarah und Thomas, beide berufstätig mit zwei kleinen Kindern, kämpften mit einem anderen Feind: chronischer Erschöpfung.
“Abends bin ich so müde, dass ich nur noch schlafen will”, gestand Sarah. “Intimität? Das fühlt sich an wie eine weitere Aufgabe auf meiner endlosen To-Do-Liste.”
Wenn unser Körper im Dauerstressmodus läuft, schaltet er nicht-essentielle Funktionen herunter – und dazu gehört leider auch das sexuelle Verlangen. Das Nervensystem ist im Überlebensmodus, nicht im Lustmodus.
Unausgesprochene Verletzungen: Der schwelende Groll
Bei Lisa und ihrem Mann Markus lag der Kern des Problems tiefer: Eine alte Verletzung, über die nie richtig gesprochen wurde.
Vor drei Jahren hatte Markus einen Job in einer anderen Stadt angenommen, ohne Lisa vorher zu fragen. “Er hat einfach entschieden”, sagte Lisa mit bebender Stimme. “Ich musste meinen eigenen Job aufgeben, meine Freunde zurücklassen. Ich habe nie wirklich darüber gesprochen, aber dieser Groll… er hat sich in meinem Körper festgesetzt. Und jetzt kann ich ihn nicht mehr berühren, ohne daran zu denken.”
Unausgesprochene Verletzungen sind wie Gift, das sich langsam in der Beziehung ausbreitet. Sie vergiften nicht nur die emotionale Verbindung, sondern auch die körperliche Anziehung.
Die Monotonie der Routine
Michael brachte es auf den Punkt: “Jeden Tag dasselbe. Aufstehen, arbeiten, Abendessen, Fernsehen, schlafen. Wo ist da Raum für Leidenschaft? Wo ist die Aufregung, die Neuheit?”
Wenn das Leben zur Routine wird, leidet auch die Anziehung. Unser Gehirn liebt Neuheit, Überraschungen, Abenteuer. In der Monotonie des Alltags verkümmert das Verlangen wie eine Pflanze ohne Licht.
Von Mitbewohnern zurück zu Liebenden: Der Weg der Veränderung
“Ist es überhaupt noch zu retten?” Diese verzweifelte Frage stellte Anna in unserer vierten Sitzung.
Meine Antwort: Fast immer ja. Aber es erfordert Mut, Ehrlichkeit und die Bereitschaft beider Partner, sich dem Problem zu stellen.
Lassen Sie mich Ihnen von der Reise von Anna und Michael erzählen – eine Geschichte der Transformation, die zeigt, dass Veränderung möglich ist.
Der erste Schritt: Ehrliche Kommunikation
In einer intensiven Sitzung bat ich beide, einander direkt anzuschauen und auszusprechen, was sie wirklich fühlten. Keine Vorwürfe, keine Schuldzuweisungen – nur ehrliche Ich-Botschaften.
Anna begann, ihre Stimme zitterte: “Ich fühle mich unsichtbar. Wenn du abends nach Hause kommst und sofort zum Laptop greifst, denke ich: Er interessiert sich nicht für mich. Und dann schließe ich mein Herz, meinen Körper. Ich errichte eine Mauer.”
Michael, Tränen in den Augen: “Ich wusste nicht… ich dachte, ich tue das Richtige, indem ich hart arbeite. Für uns, für die Familie. Ich habe nicht gesehen, dass ich dich dabei verliere.”
Dieser Moment – als beide die Fassade fallen ließen und verletzlich wurden – war der Wendepunkt.
Zweiter Schritt: Die Bindung wiederherstellen
Ich führte Anna und Michael in die Methode der Emotionsfokussierten Therapie (EFT) ein. Diese Therapieform konzentriert sich darauf, die emotionale Verbindung zwischen Partnern wiederherzustellen.
Wir arbeiteten daran, ihre Bindungsmuster zu verstehen. Anna hatte einen ängstlichen Bindungsstil – sie sehnte sich nach Nähe, hatte aber Angst, zurückgewiesen zu werden. Michael hatte einen vermeidenden Stil – er zog sich zurück, wenn es emotional wurde, aus Angst vor Überforderung.
“Verstehen Sie, wie diese Muster zusammenwirken?” fragte ich. “Anna sehnt sich nach Nähe, Michael zieht sich zurück. Anna fühlt sich noch einsamer und fordert mehr Nähe. Michael fühlt sich bedrängt und zieht sich noch weiter zurück. Ein Teufelskreis.”
Dieses Verständnis allein brachte schon Erleichterung. “Es liegt nicht an uns als Personen”, sagte Anna. “Es sind diese alten Muster.”
Dritter Schritt: Körperliche Nähe ohne Druck
Ein zentraler Baustein unserer Arbeit war die Technik des Sensate Focus – eine Methode, bei der Partner sich berühren, ohne dass Sex das Ziel ist.
“Nehmen Sie sich jede Woche eine Stunde Zeit”, erklärte ich. “In dieser Zeit berührt einer den anderen – Hände, Arme, Rücken. Nicht die intimen Bereiche. Konzentrieren Sie sich nur auf die Empfindungen. Die Wärme der Haut, die Textur, den Atem.”
Anfangs war es ungewohnt. “Es fühlte sich seltsam an”, gab Michael zu. “Aber auch… schön. Zum ersten Mal seit Jahren berührte ich Anna wirklich bewusst. Nicht als Vorspiel zum Sex, sondern einfach nur so.”
Anna: “Ich konnte spüren, wie mein Körper sich langsam entspannte. Die Mauer bröckelte, Stein für Stein.”
Vierter Schritt: Neues Leben in den Alltag bringen
Ich ermutigte das Paar, ihre Routine zu durchbrechen. “Machen Sie etwas, das Sie noch nie zusammen gemacht haben. Etwas, das Sie beide aus Ihrer Komfortzone holt.”
Sie meldeten sich für einen Tanzkurs an. “Ich kann nicht tanzen”, lachte Michael nervös. “Aber genau das war der Punkt. Wir waren beide unbeholfen, haben Fehler gemacht, gelacht. Es war wie am Anfang unserer Beziehung.”
Neue Erlebnisse setzen Dopamin frei – dasselbe Hormon, das in der Verliebtheitsphase ausgeschüttet wird. Dadurch kann das Gehirn die alte Aufregung mit dem Partner neu verknüpfen.
Der Durchbruch
Sechs Monate später saßen Anna und Michael wieder in meinem Beratungsraum. Doch dieses Mal hielten sie Händchen.
“Es ist nicht wie in den ersten Monaten unserer Beziehung”, sagte Anna. “Die berauschende Verliebtheit ist nicht zurückgekommen. Aber etwas Besseres ist entstanden: Eine tiefe Verbundenheit. Und die Anziehung? Sie ist wieder da. Anders, reifer – aber sie ist da.”
Michael nickte. “Ich sehe Anna jetzt wieder wirklich. Nicht als Mutter meiner Kinder oder als Mitbewohnerin. Sondern als die Frau, in die ich mich verliebt habe.”
“Ich sehe sie jetzt wieder wirklich.”
Ihre Geschichte zeigt: Schwindende sexuelle Anziehung ist kein Todesurteil für eine Beziehung. Mit Bewusstsein, Arbeit und professioneller Unterstützung kann die Flamme neu entfacht werden.
Praktische Schritte: Ihr Fahrplan zur Wiederannäherung
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: “Was kann ich konkret tun?” Hier sind die Schritte, die ich Paaren in meiner Praxis empfehle:
1. Selbstreflexion ohne Schuld
Beginnen Sie bei sich selbst. Führen Sie eine Woche lang ein Tagebuch:
- Wie fühle ich mich in meinem Körper, wenn mein Partner mich berührt?
- Welche Gedanken tauchen auf, wenn ich an Intimität denke?
- Wann fühle ich mich meinem Partner nah, wann distanziert?
Wichtig: Bewerten Sie nicht. Beobachten Sie nur.
2. Das Gespräch suchen
Wählen Sie einen ruhigen Moment, ohne Ablenkungen. Beginnen Sie mit Ich-Botschaften:
“Ich habe bemerkt, dass ich mich in letzter Zeit distanzierter fühle. Das macht mir Sorgen, weil ich dich liebe und unsere Beziehung mir wichtig ist. Können wir darüber sprechen?”
Vermeiden Sie:
- Vorwürfe (“Du bist schuld, dass…”)
- Verallgemeinerungen (“Du bist immer so…”)
- Defensive Haltungen (“Ja, aber du auch…“)
3. Kleine Rituale der Verbundenheit
Etablieren Sie täglich kleine Momente der Nähe:
- Morgens eine bewusste Umarmung (mindestens 20 Sekunden)
- Abends 10 Minuten zum Reden ohne Handy
- Händchenhalten beim Spaziergang
- Gemeinsames Kochen am Wochenende
Diese Mikromomente bauen die Brücke zwischen Ihnen wieder auf.
4. Überraschung und Neuheit
Durchbrechen Sie die Routine:
- Planen Sie einen Ausflug zu einem Ort, an dem Sie noch nie waren
- Probieren Sie gemeinsam ein neues Hobby
- Lesen Sie zusammen ein Buch über Beziehungen
- Schreiben Sie Ihrem Partner einen handgeschriebenen Brief
5. Sensate Focus praktizieren
Nehmen Sie sich wöchentlich Zeit für bewusste, nicht-sexuelle Berührung. Wechseln Sie sich ab:
- Einer berührt, der andere empfängt
- Konzentrieren Sie sich auf Empfindungen: Temperatur, Textur, Druck
- Kein Sex als Ziel – nur Verbindung
6. Professionelle Unterstützung
Wenn Sie allein nicht weiterkommen, ist das kein Scheitern. Paartherapie bietet einen geschützten Raum, um tiefere Muster zu verstehen und zu verändern.
In meiner Praxis arbeite ich mit Methoden wie:
- Emotionsfokussierte Therapie (EFT)
- Systemische Paartherapie
- Bindungsbasierte Ansätze
- Kommunikationstraining
Diese Schritte erfordern Zeit, Geduld und Engagement. Aber ich habe unzählige Paare gesehen, die ihren Weg zurück zueinander gefunden haben.
Häufige Fragen zu schwindender Anziehung
Ist es normal, dass die sexuelle Anziehung in langjährigen Beziehungen nachlässt?
Ja und nein. Es ist normal, dass die berauschende Anfangsverliebtheit nach 1-2 Jahren abklingt. Aber ein komplettes Verschwinden der Anziehung ist nicht unvermeidlich. Mit bewusster Pflege kann eine tiefere, erfüllendere Intimität entstehen.
Wie unterscheide ich normale Phasen von ernsthaften Problemen?
Normale Schwankungen dauern einige Wochen und lösen sich oft von selbst. Bedenklich wird es, wenn:
- Die Distanz über Monate anhält
- Sie aktiv Intimität vermeiden
- Emotionale Entfremdung zunimmt
- Sie sich wie Mitbewohner fühlen
Kann eine Beziehung ohne sexuelle Anziehung funktionieren?
Das hängt von den Bedürfnissen beider Partner ab. Manche Paare entscheiden sich bewusst für eine asexuelle Beziehung. Problematisch wird es, wenn die Bedürfnisse nicht übereinstimmen oder einer leidet.
Wie lange dauert es, die Anziehung wiederherzustellen?
Das ist sehr individuell. Bei manchen Paaren zeigen sich erste Veränderungen nach 4-6 Wochen bewusster Arbeit. Tiefgreifende Transformation kann 6-12 Monate dauern. Geduld ist der Schlüssel.
Sollten wir uns trennen, wenn die Anziehung weg ist?
Nicht zwangsläufig. Viele Paare, die diese Phase durcharbeiten, berichten von einer tieferen Verbindung als je zuvor. Eine Trennung sollte erwogen werden, wenn:
- Beide Partner keine Bereitschaft zur Veränderung zeigen
- Grundlegende Werte unvereinbar sind
- Emotionale oder körperliche Gewalt vorliegt
Ihr nächster Schritt: Von der Erkenntnis zur Veränderung
Wenn Sie bis hierher gelesen haben, spüren Sie wahrscheinlich: Es ist Zeit, etwas zu verändern.
Lassen Sie mich Ihnen noch eine letzte Geschichte erzählen – die von Claudia und Stefan.
Sie kamen zu mir nach 15 Jahren Ehe, beide überzeugt, dass es vorbei sei. “Wir sind wie Fremde”, sagte Claudia. “Ich kann mich nicht erinnern, wann ich ihn das letzte Mal wirklich begehrt habe.”
Sechs Monate Therapie später schrieb mir Claudia eine E-Mail: “Gestern Abend haben wir getanzt, in unserer Küche, ohne Musik. Und ich habe gespürt: Er ist da. Nicht der Fremde, sondern Stefan. Der Mann, in den ich mich vor 17 Jahren verliebt habe. Nur reifer, tiefer. Danke, dass Sie uns nicht aufgegeben haben.”
Diese Momente – wenn Paare den Weg zurück zueinander finden – sind der Grund, warum ich diesen Beruf liebe.
Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkennen, lade ich Sie herzlich ein, den ersten Schritt zu machen. Auf HalloPsychologe.de biete ich Online-Beratung für Paare und Einzelpersonen an. In einem geschützten Raum können wir gemeinsam erkunden, was Ihre Beziehung braucht, um wieder aufzublühen.
Mehr Impulse und praktische Tipps finden Sie auf meinem YouTube-Kanal @PsychPatric, wo ich regelmäßig über Beziehungsthemen spreche. Für tägliche Inspirationen folgen Sie mir auf Instagram @psypatric.
Denken Sie daran: Eine nachlassende sexuelle Anziehung ist kein Zeichen für das Ende Ihrer Liebe. Es ist eine Einladung, tiefer zu schauen, ehrlicher zu kommunizieren und gemeinsam zu wachsen.
Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Patric Pförtner Psychologe für Paarberatung
Jetzt kostenfreies Erstgespräch buchen
Weiterführende Artikel
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:
- Sexlose Ehe: Gründe, Auswirkungen und Tipps zur Wiederbelebung
- Toxische Beziehung erkennen: 6 Warnsignale vom Psychologen
- Trennung trotz Liebe: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Möchten Sie den nächsten Schritt gehen?
Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkennen und Unterstützung suchen, bin ich für Sie da. In meiner Online-Beratung begleite ich Sie einfühlsam und kompetent auf Ihrem Weg.
Buchen Sie jetzt Ihr unverbindliches Erstgespräch bei Psychologe & Paartherapeut Patric Pförtner M.Sc.
