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Dissoziative Identitätsstörung in Beziehungen: 9 Symptome und Behandlungswege

Erfahren Sie, wie die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) Partnerschaften beeinflusst. Erkennen Sie 9 zentrale Symptome, verstehen Sie traumatische Ursachen und entdecken Sie wirksame Behandlungsmethoden für eine stärkere Beziehung.

9 Min. Lesezeit
Aktualisiert 19. August 2025

Die folgenden Geschichten basieren auf realen Erfahrungen aus meiner Praxis, wurden jedoch anonymisiert und verändert. Sie dienen als Inspiration für Veränderung und ersetzen keine professionelle Beratung.

  • Die Dissoziative Identitätsstörung verstehen: Entdecken Sie die 9 Hauptsymptome der DIS, die etwa 1,5% der Bevölkerung betrifft, und lernen Sie, frühe Anzeichen jenseits medialer Klischees zu erkennen.

  • Traumatische Wurzeln der DIS: Erfahren Sie, wie frühkindliche Traumata die psychologische Entwicklung tiefgreifend beeinflussen und zur Entstehung verschiedener Persönlichkeitsanteile führen können.

  • Wirksame Behandlungsmöglichkeiten: Lernen Sie evidenzbasierte Therapieansätze kennen, die Empathie fördern und Heilungswege für Betroffene und ihre Partner eröffnen.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen Ihrem Partner am Küchentisch gegenüber. Der Dampf Ihres Abendtees steigt auf wie unausgesprochene Sorgen. Das Gespräch beginnt leicht, über die kleinen Freuden des Tages, doch plötzlich werden seine Augen glasig, und seine Stimme verändert sich – tiefer, zögerlicher, als würde jemand anderes durch ihn sprechen. Sie spüren diesen vertrauten Knoten im Magen und fragen sich: Wen liebe ich gerade eigentlich? Momente wie diese sind keine Szenen aus einem Thriller – sie sind die leise Realität vieler Paare, wenn ein Partner mit einer Dissoziativen Identitätsstörung lebt. Als Paarberater, der hunderte von Paaren durch die Schatten psychischer Herausforderungen begleitet hat, kenne ich diese Verunsicherung selbst aus meinen frühen Berufsjahren. Ich weiß, wie sehr sie das Fundament einer Beziehung erschüttern kann.

Ich erinnere mich an einen späten Abendanruf einer Kollegin vor einigen Jahren. Sie war am Verzweifeln und beschrieb, wie sich ihre Ehe anfühlte wie das Navigieren durch einen nebelverhangenen Wald – manchmal wunderschön, aber erschreckend, wenn plötzlich der Weg verschwand. Die DIS ihres Mannes war nach Jahren verborgener Traumata aufgetaucht und hatte ihr gemeinsames Leben in ein Mosaik verschiedener Persönlichkeiten verwandelt, das sie kaum zusammensetzen konnte. Dieses Gespräch ist mir geblieben und erinnert mich daran, warum wir alle Empathie als Kompass in Beziehungen brauchen.

Was bedeutet die Dissoziative Identitätsstörung für Ihre Beziehung?

Die DIS, früher Multiple Persönlichkeitsstörung genannt, entspricht nicht den dramatischen Darstellungen aus Filmen – sie ist ein tiefgreifender Schutzmechanismus der Psyche, oft geboren aus frühen Verletzungen. In Beziehungen kann es sich anfühlen, als würden Sie einen Chor verschiedener Stimmen lieben, jede mit eigenen Bedürfnissen und Erinnerungen.

Vielleicht wachen Sie eines Morgens auf und stellen fest, dass Ihr Partner sich nicht an die zärtlichen Worte der vergangenen Nacht erinnert. Das kann Ihre Bindung infrage stellen. Doch es geht nicht darum, den anderen zu reparieren – es geht darum, Raum für die Gesamtheit seiner Person zu schaffen. Aus meiner Erfahrung finden Paare, die DIS mit Neugier statt Angst begegnen, oft eine tiefere Intimität auf der anderen Seite.

Anna und Michael kamen vor zwei Jahren in meine Praxis. Michael hatte seit seiner Kindheit mit DIS gelebt, doch erst nach ihrer Hochzeit begannen Anna die verschiedenen Anteile aufzufallen. „Es war, als würde ich manchmal einen Fremden heiraten”, erzählte sie mir bei unserem ersten Gespräch. Doch anstatt sich zurückzuziehen, entschied sich Anna, hinzuschauen – und diese Entscheidung veränderte alles.


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Die 9 Hauptsymptome der DIS und ihre Auswirkungen auf Partnerschaften

Diese Symptome sind keine bloßen Checklisten – sie sind Fenster in die innere Welt Ihres geliebten Menschen und helfen Ihnen, mit Mitgefühl zu reagieren.

1. Multiple Identitäten (Persönlichkeitsanteile)

Stellen Sie sich Ihren Partner als ein Haus mit vielen Zimmern vor, jedes beherbergt eine andere Version seiner selbst – einen Anteil mit eigenem Namen, Alter und Eigenheiten. In meinen Sitzungen habe ich Paare wie Sophie und Thomas erlebt: Thomas’ kindlicher Anteil kam während eines einfachen Spieleabends zum Vorschein und kicherte auf eine Weise, die sein übliches Selbst nie zeigte. Sophie war zunächst irritiert, doch als sie verstand, dass dieser Anteil Schutz suchte, wandelte sich ihre Verwirrung in Zärtlichkeit.

2. Amnesie (Gedächtnislücken)

Gedächtnislücken sind kein einfaches Vergessen – es sind Blackouts, wenn ein Persönlichkeitsanteil zurücktritt. Sarah erzählte mir unter Tränen, wie ihre Partnerin Katharina ihre gemeinsamen Urlaubspläne völlig vergessen hatte – nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil ein anderer Teil ihres Geistes übernommen hatte. Dieses Symptom kann Vertrauen untergraben, wenn es nicht angesprochen wird. Doch gemeinsames Tagebuchschreiben kann beginnen, diese Lücken zu überbrücken.

3. Depersonalisation

Hier fühlt sich Ihr Partner möglicherweise fremd im eigenen Körper, losgelöst, als würde er das Leben durch eine Glasscheibe betrachten. Betroffene ziehen sich während Umarmungen zurück, ihr Körper wird steif. Ich habe Paare durch Erdungsübungen geführt – Händehalten und Empfindungen benennen – um sie zurück ins Hier und Jetzt zu holen.

4. Derealisation

Die Welt fühlt sich traumartig an, unwirklich. Während eines Spaziergangs im Park starrt Ihr Partner vielleicht ins Leere, als wären die Bäume nur Requisiten auf einer Bühne. Diese Dissoziation belastet gemeinsame Unternehmungen und verwandelt Verbindung in Isolation. Eine wichtige Frage: Wann beginnt die Welt sich für den anderen unwirklich anzufühlen – und wie können Sie ihn gemeinsam verankern?

5. Identitätsverwirrung

Eine wirbelnde Unsicherheit darüber, wer man ist, führt zu plötzlichen Veränderungen in Geschmack oder Meinungen. Markus beschrieb mir, wie sein Freund Jonas von einem Tag zum anderen seine Liebe zur Musik in Abneigung verwandelte. In der Beratung kartieren wir diese Veränderungen wie Wettermuster – wir lernen, sie vorherzusagen und uns vorzubereiten.

6. Innere Stimmen

Oft sind es interne Stimmen der verschiedenen Anteile, die als Halluzinationen erlebt werden. Lisa hörte, wie ihr Partner mit unsichtbaren Gegenübern diskutierte, was die Spannungen verschärfte. Diese Stimmen sind keine Zeichen von Wahnsinn – sie sind Echos des Traumas. Wir erkunden sie behutsam und validieren sie ohne Furcht.

7. Selbstverletzendes Verhalten

In Momenten der Überwältigung wird Selbstverletzung zum Ventil. Dieses Symptom trifft Beziehungen hart und weckt Hilflosigkeit. Durch DBT-Fertigkeiten lernen Paare wie Elena und Javier Stresstoleranz und verwandeln Schmerz in gemeinsame Heilung.

8. Wechsel (Switching)

Der fließende Übergang zwischen Persönlichkeitsanteilen, oft durch Stress ausgelöst. Es ist wie das Umschalten eines Radiosenders mitten im Lied – verstörend, aber nicht gewählt. In meiner Praxis hat das Erlernen von Signalen zur Früherkennung Partnern geholfen, zu unterstützen statt zu erschrecken.

9. Beeinträchtigung der Alltagsfunktion

Der Alltag gerät ins Wanken – verpasste Termine, emotionale Erschöpfung. Dies wirkt sich auf Ihre Partnerschaft aus, doch kleine Routinen wie gemeinsam erstellte Zeitpläne können den Rhythmus wiederherstellen.

Wie Trauma die Identität in der Liebe formt

Im Kern entsteht DIS aus Überlebensinstinkt. Frühes Trauma – Missbrauch, Vernachlässigung – spaltet das Selbst, um das verletzliche Kind zu schützen. In Beziehungen kann diese Geschichte als Trigger auftauchen, wenn etwa ein plötzlicher Streit vergangene Schmerzen widerspiegelt.

Ich denke oft an Claudia und Stefan. Claudia hatte als Kind schwere Vernachlässigung erfahren. Ihre Persönlichkeitsanteile hatten sich gebildet, um das kleine Mädchen zu beschützen, das sie einmal war. Als Stefan zum ersten Mal erlebte, wie einer dieser Anteile hervortrat – ein verängstigtes Kind, das sich in der Ecke zusammenkauerte – war er zunächst ratlos. Doch anstatt wegzuschauen, setzte er sich zu ihr, hielt sanft ihre Hand und sagte: „Du bist hier sicher. Ich bin bei dir.”

Die Hauptursachen umfassen:

  • Schweres Kindheitstrauma, bei dem Anteile als Beschützer entstehen
  • Chronische Vernachlässigung, die emotionale Bedürfnisse fragmentiert
  • Frühe Verluste, die sichere Bindung stören
  • Mangelnde Unterstützung, die dissoziative Muster verfestigt

Für Paare ist dieses Verständnis keine Schuldzuweisung – es ist Kontext. Wie hallen vergangene Wunden in Ihren gegenwärtigen Konflikten wider?

Behandlungswege: Gemeinsam als Team heilen

Behandlung ist keine Einzelreise – sie ist relational. Die psychologische Beratung integriert Persönlichkeitsanteile sicher und verarbeitet Traumata. Familientherapie klärt Partner auf und repariert Dynamiken. Bei Maria und Luis habe ich erlebt, wie sie durch gemeinsame Sitzungen ihre Kommunikation neu aufbauten.

Bewährte Therapieformen:

  • EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) hilft, traumatische Erinnerungen zu verarbeiten
  • Hypnotherapie ermöglicht Zugang zu verborgenen Anteilen
  • Kreative Therapien wie Kunst erlauben nonverbalen Ausdruck
  • Medikamente wie Antidepressiva und angstlösende Mittel können begleitende Symptome lindern

Gruppentherapie baut Gemeinschaft auf, sollte aber immer von DIS-Experten geleitet werden. Eine vollständige Heilung gibt es nicht, aber Integration ist möglich. Die Prävalenz liegt bei 1-2%, häufig traumabedingt und deutlich verschieden von Schizophrenie.

Eine Geschichte aus der Praxis: Von der Fragmentierung zur Einheit

Lassen Sie mich von Emma und Robert erzählen. Emmas DIS war nach Jahren verdrängten Missbrauchs aufgetaucht. Ihre Anteile kollidierten besonders in intimen Momenten. In der Beratung verwendeten wir systemische Kartierung: „Wie bemerken Sie, dass ein Wechsel bevorsteht?”

Robert lernte Validierungstechniken – Raum halten ohne Bewertung. Über Monate hinweg milderte EMDR die Erinnerungen, Medikamente stabilisierten die Stimmung, und ihre Bindung vertiefte sich. Heute teilen sie ein Leben, in dem Emmas Anteile Verbündete sind, keine Gegner.

Praktische Schritte für Paare:

  1. Gemeinsam lernen – Lesen Sie Ressourcen Seite an Seite
  2. Erdungsübungen praktizieren – Atmen Sie synchron bei Derealisation
  3. DIS-spezialisierte Therapie suchen – Expertise macht den Unterschied
  4. Wechsel gemeinsam dokumentieren – Tagebuch führen schafft Verständnis
  5. Sicherheitsnetze für Trigger aufbauen – Vorbereitung gibt Halt

Dies sind keine Schnelllösungen, sondern Samen für Resilienz.

Häufige Fragen zur Dissoziativen Identitätsstörung

Kann die Dissoziative Identitätsstörung geheilt werden? Es gibt keine vollständige Heilung, aber Therapie kann Persönlichkeitsanteile integrieren und die Lebensqualität deutlich verbessern.

Wie häufig ist die Dissoziative Identitätsstörung? Etwa 1-2% der Bevölkerung sind betroffen, wobei die Rate bei Menschen mit Traumaerfahrungen höher liegt.

Sind Dissoziative Identitätsstörung und Schizophrenie dasselbe? Nein – DIS dreht sich um verschiedene Identitätsanteile, Schizophrenie um Wahnvorstellungen und Realitätsverlust.

Wie ist eine Person mit Dissoziativer Identitätsstörung? Vielschichtig, mit verschiedenen Anteilen und Gedächtnislücken. Mit Behandlung können Betroffene ein erfülltes Leben und stabile Beziehungen führen.

DIS fordert Beziehungen heraus, bietet aber auch tiefgreifendes Wachstum. Wie ein Fluss, der Schluchten formt, prägt uns Trauma – doch mit Empathie fließen wir der Heilung entgegen.


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Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Patric Pförtner

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Psychologe M.Sc. Patric Pförtner

Über den Autor

Psychologe M.Sc. Patric Pförtner

M.Sc. Psychologe · Positive Psychologie · Online-Beratung

Als Psychologe liegt mir am Herzen, psychologisches Wissen verständlich und praxisnah zu vermitteln. Meine Artikel basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und meiner Erfahrung aus der Beratungspraxis – damit Sie konkrete Impulse für Ihr Leben mitnehmen können.

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