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Dependente Persönlichkeitsstörung in Beziehungen: 7 Wege für mehr Balance

Erfahren Sie, wie sich eine dependente Persönlichkeitsstörung auf Partnerschaften auswirkt. 7 praktische Strategien für mehr Unabhängigkeit, gesunde Grenzen und eine erfüllte Beziehung.

9 Min. Lesezeit
Aktualisiert 31. August 2025

Die folgenden Geschichten basieren auf realen Erfahrungen aus meiner Praxis, wurden jedoch anonymisiert und verändert. Sie dienen als Inspiration für Veränderung und ersetzen keine professionelle Beratung.

  • Symptome der dependenten Persönlichkeitsstörung erkennen: Verstehen Sie, wie sich DPS durch extreme Abhängigkeit, geringes Selbstvertrauen und Entscheidungsschwierigkeiten zeigt – um Betroffene frühzeitig unterstützen zu können.

  • Häufige Missverständnisse aufklären: Erfahren Sie, warum dependentes Verhalten nicht mit Faulheit oder Manipulation gleichzusetzen ist, sondern tiefe emotionale Bedürfnisse widerspiegelt.

  • 7 praktische Strategien für Beziehungen: Lernen Sie konkrete Wege kennen, um Unabhängigkeit zu fördern und eine gesündere Balance in Ihrer Partnerschaft zu schaffen.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen nach einem langen Tag am Küchentisch Ihrem Partner gegenüber. Der Dampf steigt aus den Kaffeetassen auf wie unausgesprochene Sorgen. Sie haben gerade einen Wochenendausflug vorgeschlagen – etwas Einfaches, um sich wieder näherzukommen. Doch statt Begeisterung weicht der Blick aus, die Hände zupfen nervös an einer Serviette. „Was, wenn ich das falsche Hotel auswähle? Was, wenn es dir nicht gefällt?” Die Stimme zittert wie ein Blatt im Wind. In diesem Moment legt sich das Gewicht der Abhängigkeit über Sie beide – nicht als dramatischer Ausbruch, sondern als leiser, beharrlicher Nebel, der die Konturen Ihres gemeinsamen Lebens verschwimmen lässt.

Als Patric Pförtner, Psychologe für Paarberatung mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung, kenne ich diese Szene nur zu gut. Es ist die subtile Belastung der dependenten Persönlichkeitsstörung (DPS) – ein Zustand, der sich in das Gewebe der Intimität webt, oft unbemerkt, bis er die Fäden zu zerreißen droht.

Was ist eine dependente Persönlichkeitsstörung?

Lassen Sie mich mit einer Geschichte aus meiner Praxis beginnen. Anna und Michael kamen vor einigen Jahren zu mir. Anna, eine zurückhaltende Bibliothekarin Mitte 30, rief Michael mehrmals täglich von der Arbeit an – nicht einfach zum Plaudern, sondern um Erlaubnis für die kleinsten Entscheidungen zu erfragen: Was sie zu Mittag essen sollte, ob sie mit Kollegen einen Kaffee trinken durfte. Michael, ein Ingenieur mit ruhiger Art, liebte sie zutiefst, aber spürte die schleichende Erosion seines eigenen Freiraums wie Sand, der durch die Finger rinnt.

Die dependente Persönlichkeitsstörung ist keine Faulheit oder Manipulation. Es ist ein chronisches Muster, bei dem das Bedürfnis nach Fürsorge und Unterstützung das eigene Selbstgefühl überschattet. Menschen mit DPS kämpfen oft mit geringem Selbstvertrauen und betrachten sich selbst durch eine Linse, die von Zweifeln verzerrt ist – wie das Spiegelbild in einem gekräuselten Teich. Sie meiden Risiken, klammern sich an Beziehungen für Sicherheit und haben Schwierigkeiten mit Entscheidungen – nicht weil es ihnen an Intelligenz mangelt, sondern weil die Angst vor Versagen oder Ablehnung wie Donner in ihrer inneren Welt hallt.


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Wie DPS Beziehungen beeinflusst

In Partnerschaften wirft die dependente Persönlichkeitsstörung einen langen Schatten. Sie kann ein Ungleichgewicht schaffen, bei dem ein Partner zum permanenten Versorger wird, dessen emotionale Reserven sich wie eine Batterie auf niedrigem Stand entleeren. Stellen Sie sich eine Wippe vor, die permanent schief steht – eine Seite schwer von der Suche nach Bestätigung, die andere belastet durch das Gewicht ständiger Unterstützung.

Sarah und Thomas kamen nach fünf Jahren Ehe zu mir. Sarah, die bereits in ihren frühen Zwanzigern mit DPS diagnostiziert worden war, zitterte bei dem Gedanken, allein einkaufen zu gehen. Ihre Hände wurden feucht, wenn sie erzählte, wie Thomas’ Meinungen zu ihrem Kompass geworden waren. Thomas, erschöpft von seiner Rolle als Anker der Familie, beschrieb die Belastung seiner Ressourcen: Abende, an denen er ihre Ängste beruhigte, statt seinen eigenen Hobbys nachzugehen, was zu emotionaler Erschöpfung führte, die sich anfühlte wie ein unsichtbarer Rucksack voller Steine.

Grenzen? Nicht vorhanden. Sarahs Bedürfnisse verschmolzen mit denen von Thomas, und es blieb wenig Raum für individuelle Wünsche. Auch Thomas’ persönliche Entwicklung stagnierte – er vermied Beförderungen, die mehr Reisen bedeutet hätten, aus Angst vor den Folgen.

Die häufigsten Missverständnisse über DPS

Viele Mythen ranken sich um die dependente Persönlichkeitsstörung wie Nebel, der die Wahrheit verschleiert:

Mythos 1: Menschen mit DPS sind immer anhänglich oder unterwürfig. Die Realität ist komplexer. Sarahs Abhängigkeit ebbte in sicheren Umgebungen ab und flammte nur unter Stress auf.

Mythos 2: Sie sind unfähig, Entscheidungen zu treffen. Mit Unterstützung plant Sarah heute eigenständig Date-Abende. Ihr Selbstvertrauen blüht wie eine Blume nach dem Regen.

Mythos 3: Sie suchen nur Aufmerksamkeit. Oft ist das Gegenteil der Fall – Rückzug aus Angst vor Kritik.

Mythos 4: DPS bedeutet das Ende jeder Beziehung. Mit Engagement und Arbeit können gesunde Bindungen entstehen, aufgebaut auf Selbstwertgefühl und klarer Kommunikation.

Wie bemerken Sie diese Missverständnisse in Ihren eigenen Reaktionen? Führen sie dazu, dass Sie sich zurückziehen und die Kluft vergrößern, anstatt Brücken zu bauen?

7 praktische Wege für mehr Balance

Durch unsere gemeinsame Arbeit mit Sarah und Thomas entwickelten wir Strategien, die auf kognitiv-verhaltenstherapeutischen Techniken basieren. Hier sind sieben Wege, die wirklich funktionieren:

1. Unabhängigkeit schrittweise fördern Beginnen Sie klein: Lassen Sie Ihren Partner ein Gericht auswählen oder den Spazierweg bestimmen. Feiern Sie jeden Schritt wie einen Meilenstein auf einem gemeinsamen Weg. Für Sarah bedeutete das, dass Thomas ihre selbstständigen Besorgungen lobte, was den Griff ihrer Angst lockerte.

2. Klare Kommunikation etablieren Schaffen Sie Rituale – wöchentliche Check-ins, bei denen Gefühle frei fließen können wie Bäche, die zusammenfließen, ohne zu überfluten. Stellen Sie systemische Fragen: „Wie fühlt sich diese Entscheidung in deinem Körper an?” statt „Warum?”, um Emotionen sicher zu erforschen.

3. Gesunde Grenzen setzen Definieren Sie diese liebevoll: „Ich unterstütze dich gerne, aber heute Abend brauche ich Zeit für mein Buch.” Das ehrt individuelle Identitäten und verhindert Verstrickung. Thomas lernte, ohne Schuldgefühle Nein zu sagen und seinen Freiraum zurückzugewinnen.

4. Professionelle Hilfe unterstützen Therapie, insbesondere kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze, hilft dabei, die Wurzeln der Abhängigkeit zu bearbeiten. Sie lehrt Bewältigungsstrategien wie das Tagebuchschreiben über Ängste, um verzerrte Gedanken zu hinterfragen. Sarahs Sitzungen konzentrierten sich auf den Aufbau von Selbstwertgefühl und verwandelten ihren inneren Dialog vom Kritiker zum Verbündeten.

5. Selbstreflexion fördern Ermutigen Sie zur Erforschung von Stärken jenseits der Beziehung – vielleicht durch Fragen wie: „Was hat mir als Kind Freude bereitet?” Dies fördert Autonomie. Sarah entdeckte ihre Liebe zur Malerei, eine Aktivität für sich allein, die ihr Selbstvertrauen stärkte.

6. Geduld und Empathie praktizieren Fortschritt ist ein Garten, kein Sprint – Rückschläge sind Unkraut, keine Misserfolge. Nähern Sie sich mit Neugier: „Was hat das heute schwer gemacht?” Empathie, das Herzstück schwieriger Gespräche, baut Vertrauen auf wie Schichten warmer Erde.

7. Gemeinsame Interessen pflegen Gemeinsame Wanderungen oder Kochkurse schaffen Freude unabhängig von der Abhängigkeit und stärken die Bindung. Für Thomas und Sarah wurden Tanzkurse zu ihrem Anker – Gelächter, das alte Spannungen auflöste.

Tiefere Schichten verstehen: Emotionale Intelligenz in der Praxis

Über Strategien hinaus erfordert echte Heilung ein differenziertes emotionales Bewusstsein. DPS ist oft mit unsicheren Bindungsmustern verbunden, bei denen frühe Verluste den Glauben prägen, dass Alleinsein Ablehnung bedeutet. Partner können Abwehrmechanismen auslösen – Unterwerfung als Vermeidung, Fürsorge als Kontrolle – und so Teufelskreise erschaffen.

Aus meiner Erfahrung ist es entscheidend, widersprüchliche Gefühle zu würdigen: Liebe gemischt mit Gereiztheit, Abhängigkeit durchzogen von Stärke. In einer Sitzung gestand Lisa unter Tränen ihre Angst, ihren Partner zu verlieren, während er, Marco, seinen Groll eingestand, der aus Erschöpfung entstanden war. Wir erforschten diese Dualität mit der Metapher eines stürmischen Meeres – Wellen von Emotionen, die, richtig navigiert, zu ruhigeren Gewässern führen.

Häufige Fragen zur DPS in Beziehungen

Wie wird eine dependente Persönlichkeitsstörung diagnostiziert? Sie beginnt mit der Beurteilung durch einen psychologischen Fachmann – Gespräche, Überprüfung der Vorgeschichte und Bewertung anhand der diagnostischen Kriterien. Es gibt keinen einzelnen Test; es geht um Muster, die über die Zeit bestehen bleiben.

Kann eine dependente Persönlichkeitsstörung geheilt werden? Nicht vollständig geheilt, aber tiefgreifend bewältigt. Durch Therapie verblassen Symptome, Unabhängigkeit wächst – stellen Sie es sich vor wie das Beschneiden eines Baumes für gesündere Zweige.

Welche Auswirkungen hat DPS auf Kinder? Sie kann soziale Fähigkeiten hemmen und eine Überabhängigkeit von den Eltern schaffen. Aber gezielte Unterstützung – wie Familientherapie – fördert frühe Autonomie.

Wie hilft Therapie bei der Bewältigung von DPS? Insbesondere kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze zielen auf Gedanken ab, die die Abhängigkeit nähren, und bauen Fähigkeiten für sichere Bindungen auf. Klienten wie Sarah gehen gestärkt daraus hervor, Beziehungen erneuert.

Annas und Michaels Weg zur Balance

Zum Abschluss möchte ich zu Anna und Michael zurückkehren, die ein Jahr nach der Beratung aufblühten. Sie setzten diese Schritte schrittweise um: Michael ermutigte Annas Solo-Buchclub, sie etablierten „Ich-Zeit”-Grenzen, und Anna vertiefte sich in ihre therapeutischen Hausaufgaben – Tagebucheinträge, die Selbstreflexion fördern und persönliches Wachstum ermöglichen. Geduld war ihr Verbündeter; als Rückschläge kamen – wie Annas Panik vor einer Arbeitspräsentation – überbrückte Empathie die Kluft. Gemeinsames Gärtnern wurde zu ihrem Ritual, die Hände in der Erde ein Symbol für Wurzeln, die zusammen tiefer wachsen.

Für Sie: Beginnen Sie heute. Wählen Sie einen Weg – vielleicht ein sanftes Gespräch. Fragen Sie: „Wie können wir gegenseitig unsere Unabhängigkeit unterstützen?” Verfolgen Sie den Fortschritt in einem gemeinsamen Tagebuch und feiern Sie jeden Erfolg. Wenn DPS bei Ihnen Resonanz findet, suchen Sie einen Therapeuten auf; es ist ein Schritt in Richtung Befreiung.

In diesem komplexen Tanz der Liebe löscht das Verstehen von DPS die Herausforderungen nicht aus, aber es beleuchtet Wege zu widerstandsfähigen, mitfühlenden Verbindungen. Sie schaffen das – wir alle, einen einfühlsamen Schritt nach dem anderen.


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Mit herzlichen Grüßen,

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Psychologe M.Sc. Patric Pförtner

Über den Autor

Psychologe M.Sc. Patric Pförtner

M.Sc. Psychologe · Positive Psychologie · Online-Beratung

Als Psychologe liegt mir am Herzen, psychologisches Wissen verständlich und praxisnah zu vermitteln. Meine Artikel basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und meiner Erfahrung aus der Beratungspraxis – damit Sie konkrete Impulse für Ihr Leben mitnehmen können.

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