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Partnerschaft mit hochfunktionalem ADHS: Herausforderungen und Lösungen

Erfahren Sie, wie hochfunktionales ADHS Ihre Beziehung beeinflusst. Symptome erkennen, Ursachen verstehen und bewährte Strategien wie Verhaltenstherapie und Achtsamkeit für eine stärkere Partnerschaft nutzen.

9 Min. Lesezeit
Aktualisiert 28. August 2025

Die folgenden Geschichten basieren auf realen Erfahrungen aus meiner Praxis, wurden jedoch anonymisiert und verändert. Sie dienen als Inspiration für Veränderung und ersetzen keine professionelle Beratung.

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen Ihrem Partner gegenüber am Abendbrottisch, Kerzen flackern sanft, und Sie möchten von Ihrem Tag erzählen. Doch statt eines echten Austauschs spüren Sie eine seltsame Spannung. Ihr Partner unterbricht Sie mitten im Satz, sein Blick wandert zum Handy, dann springt er zu einem halbfertigen Gedanken über das Meeting von morgen. Ein Knoten bildet sich in Ihrem Magen. Ist es nur Stress – oder steckt etwas Tieferes dahinter?

Als Psychologe für Paarberatung mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung kenne ich diese Szenen nur zu gut. Es geht nicht um Schuldzuweisungen – es geht darum, die unsichtbaren Strömungen zu verstehen, die an Ihrer Beziehung zerren. Hochfunktionales ADHS ist nicht das dramatische Chaos, das wir uns oft vorstellen. Es ist ein stiller Sturm, bei dem äußerer Erfolg die innere Erschöpfung verbirgt.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Was ist hochfunktionales ADHS? Eine subtile Variante von ADHS, bei der Betroffene ihre Symptome durch beruflichen oder akademischen Erfolg kaschieren
  • Typische Symptome in Beziehungen: Vergesslichkeit, emotionale Überreaktionen, Konzentrationsprobleme bei Gesprächen, Schwierigkeiten mit Organisation
  • Bewährte Lösungsansätze: Kognitive Verhaltenstherapie, Achtsamkeitsübungen, gemeinsame Routinen und offene Kommunikation

Was bedeutet hochfunktionales ADHS für Ihre Partnerschaft?

Hochfunktionales ADHS bedeutet, dass jemand mit ADHS seine Symptome so gut kompensiert, dass sie nach außen kaum auffallen. Die Person glänzt vielleicht im Beruf oder pflegt einen großen Freundeskreis. Doch innerlich tobt ein Wirbelsturm aus Ablenkbarkeit, emotionaler Intensität und dem nagenden Gefühl, nie ganz mitzukommen.

In Beziehungen zeigt sich das oft durch vergessene Verabredungen, emotionale Ausbrüche, die überproportional wirken, oder das Gefühl, dass der Partner einfach nicht präsent ist. Die Folge: Beide Partner fühlen sich unverstanden und frustriert.

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wie herausfordernd das sein kann. Meine Frau, eine brillante Projektmanagerin, wirkte nach außen immer perfekt organisiert – Deadlines wurden eingehalten, alles schien zu funktionieren. Doch hinter verschlossenen Türen vergaß sie unsere Jahrestagspläne oder geriet wegen eines verlegten Schlüssels völlig aus der Fassung. Es war keine Nachlässigkeit – es war hochfunktionales ADHS. Durch Therapie und offene Gespräche lernten wir, damit umzugehen und machten aus potenziellen Bruchstellen eine stärkere Verbindung.

Die subtilen Anzeichen in Ihrer Beziehung erkennen

Viele kennen dieses Gefühl, wenn ein Gespräch entgleist – nicht aus Wut, sondern weil die Konzentration wie Sand durch die Finger rinnt. Achten Sie auf Momente, in denen Ihr Partner stundenlang in ein Hobby vertieft ist, aber eine einfache Einkaufsliste vergisst. Oder wenn innere Unruhe ruhige Abende in rastloses Auf-und-Ab-Gehen verwandelt.

Häufige Symptome, die ich in meiner Praxis beobachte:

  • Organisationsschwierigkeiten: Papiere stapeln sich, Termine überschneiden sich, der gemeinsame Kalender wird zum Schlachtfeld
  • Vergesslichkeit: Verpasste Verabredungen oder übersehene Versprechen, die langsam das Vertrauen untergraben
  • Impulsivität: Spontane Entscheidungen über größere Anschaffungen ohne Absprache
  • Emotionale Sensibilität: Kleine Bemerkungen lösen unverhältnismäßig große Reaktionen aus
  • Hyperfokus auf Leidenschaften: Stundenlange Vertiefung in Hobbys, während die Zeit unbemerkt verstreicht
  • Innere Unruhe: Selbst beim Kuscheln auf dem Sofa wippt das Bein, die Gedanken rasen
  • Zeitmanagement-Probleme: Chronische Verspätungen verwandeln Verabredungen in Entschuldigungsmarathons

Diese Symptome sind keine Charakterschwächen – sie spiegeln einen einzigartigen Gehirnrhythmus wider, der oft neurologische Wurzeln hat.


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Die Ursachen verstehen: Ein tieferer Blick

Die Ursachen von hochfunktionalem ADHS gleichen denen des klassischen ADHS: eine Verflechtung aus Genetik, Gehirnstruktur und Lebenserfahrungen. Wenn ADHS in der Familie vorkommt, steigen die Chancen – ich habe es bei Paaren erlebt, wo die Geschichte des einen Partners die undiagnostizierten Züge des anderen widerspiegelte.

Neurologisch gesehen handelt es sich um Unterschiede in der Aktivität des präfrontalen Kortex, wo Aufmerksamkeit und Impulskontrolle gesteuert werden. Auch Umweltfaktoren spielen eine Rolle: pränatale Einflüsse, frühe Belastungen oder auch eine leistungsorientierte Erziehung, die Maskierung statt Heilung lehrte.

In Beziehungen zeigen sich diese Ursachen als Anpassungsstrategien. Ihr Partner überkompensiert vielleicht durch Perfektionismus, was zu Erschöpfung führt. Das zu verstehen, bedeutet nicht, Schuld zuzuweisen – es bedeutet, die bereits geleistete Anstrengung zu würdigen.

Michaela und Thomas: Eine Geschichte aus meiner Praxis

Lassen Sie mich von Michaela und Thomas erzählen, einem Paar, das ich letztes Jahr begleitete. Michaela, eine erfolgreiche Anwältin Mitte dreißig, kam zur Beratung, überzeugt davon, dass Thomas sich emotional zurückgezogen hatte. In unseren Sitzungen zeigte sich jedoch Michaelas hochfunktionales ADHS: Sie gewann brillant jeden Prozess, vergaß aber regelmäßig Familienessen. Ihr Kopf summte ständig vor To-dos. Thomas fühlte sich unsichtbar, seine Hände zitterten vor Frustration während der Streitgespräche.

Wir begannen mit Psychoedukation – erklärten, wie die Störungen der exekutiven Funktionen bei ADHS keine willentliche Vernachlässigung sind. Michaela lernte, ihre Überforderung wahrzunehmen – dieses Druckgefühl im Magen, bevor sie impulsiv wurde. Thomas übte systemische Fragen: Wie kann ich unterstützen, ohne zu retten?

Gemeinsam entwickelten sie Routinen: geteilte Apps für Erinnerungen, nicht als lästige Pflichten, sondern als Teamarbeit. Ein Wendepunkt war die kognitive Verhaltenstherapie. Michaela arbeitete daran, Gedanken umzudeuten – aus Ich versage als Partnerin wurde Ich lerne das Tempo meines Gehirns kennen.

Es ging nicht über Nacht. Es gab Rückschläge – wie einen vergessenen Hochzeitstag. Aber mit Empathie bauten sie ihre Beziehung neu auf. Thomas nahm an Achtsamkeitssitzungen teil und lernte, durch seine eigene Angst hindurch zu atmen. Heute ist ihre Bindung tiefer, geprägt von Lachen über vergangene Missgeschicke.

Praktische Wege zur Heilung in der Partnerschaft

Medikamentöse Unterstützung: Für viele ist Medikation ein erster Schritt. Stimulanzien können den mentalen Nebel lichten, der die Kommunikation erschwert. Aber es gibt keine Einheitslösung – wir beobachten gemeinsam die Wirkungen und stellen sicher, dass sie Ihre Verbindung unterstützen, nicht überschatten.

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Ein Eckpfeiler der Behandlung. Sie vermittelt Werkzeuge, um Impulsivität herauszufordern – sich vor dem Unterbrechen zu besinnen, Raum für echtes Zuhören zu schaffen. In der Paartherapie passen wir KVT an Ihre Dynamik an: Wie lösen ADHS-Züge die Abwehrmechanismen Ihres Partners aus?

Achtsamkeitsbasierte Techniken: Gold wert für den rastlosen Geist. Einfache Übungen wie geführtes Atmen – Ruhe einatmen, Chaos ausatmen – helfen bei der Emotionsregulation. In meinen Sitzungen leite ich Partner durch gemeinsame Achtsamkeit: zusammen sitzen, die Atemzüge synchronisieren, Intimität neu aufbauen.

Praktische Schritte für Sie:

  1. Gemeinsam verstehen: Vereinbaren Sie eine Evaluation bei einem Spezialisten. Beobachten Sie, wann Symptome Ihre Beziehung am stärksten belasten
  2. Routinen aufbauen: Nutzen Sie visuelle Hilfsmittel, gestalten Sie Planungsabende als gemeinsames Ritual
  3. Empathie üben: Teilen Sie Gefühle ohne Anklage – Ich fühle mich unverbunden, wenn… öffnet Herzen
  4. Therapie einbeziehen: Wöchentliche KVT oder Achtsamkeit; dokumentieren Sie Fortschritte in einem gemeinsamen Tagebuch
  5. Erfolge feiern: Würdigen Sie Anpassungen – kleine Freuden über erinnerte Details stärken die Bindung
  6. Gemeinschaft suchen: Treten Sie ADHS-Paargruppen bei; geteilte Geschichten heilen
  7. Regelmäßig überprüfen: Monatliche Check-ins passen Strategien an und halten das Wachstum lebendig

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Häufig gestellte Fragen zu hochfunktionalem ADHS in Beziehungen

Kann hochfunktionales ADHS eine Beziehung zerstören?

Hochfunktionales ADHS muss keine Beziehung zerstören – im Gegenteil. Wenn beide Partner die Dynamik verstehen und gemeinsam an Lösungen arbeiten, kann es sogar zu einer tieferen Verbindung führen. Der Schlüssel liegt in Verständnis, offener Kommunikation und der Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen.

Wie erkenne ich, ob mein Partner hochfunktionales ADHS hat?

Achten Sie auf wiederkehrende Muster: chronische Vergesslichkeit bei alltäglichen Dingen trotz beruflichem Erfolg, emotionale Überreaktionen, Schwierigkeiten beim Zuhören in Gesprächen, innere Unruhe und Probleme mit Zeitmanagement. Eine professionelle Diagnose ist wichtig – vermuten Sie nicht einfach.

Welche Therapieform hilft am besten bei ADHS in der Partnerschaft?

Kognitive Verhaltenstherapie hat sich als besonders wirksam erwiesen. Sie hilft, Gedankenmuster zu erkennen und zu verändern, die zu Konflikten führen. In Kombination mit Paartherapie und Achtsamkeitsübungen können Sie als Team wachsen und Ihre Beziehung stärken.

Sollten beide Partner zur Beratung gehen?

Ja, idealerweise. Auch wenn nur ein Partner ADHS hat, betrifft es die gesamte Beziehungsdynamik. Gemeinsame Sitzungen helfen beiden, die Perspektive des anderen zu verstehen und konkrete Strategien für den Alltag zu entwickeln.

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Vermuten Sie ADHS bei sich? Unser ADHS Selbsttest kann erste Hinweise geben. Sind Sie zu perfektionistisch? Unser Perfektionismus Selbsttest mit 30 Fragen hilft Ihnen. Mehr Tests auf unserer Selbsttest-Seite.


Ihr nächster Schritt

Hochfunktionales ADHS in der Partnerschaft ist kein Hindernis für Liebe – es ist eine Einladung zu tieferer Verbindung. Wie Michaela und Thomas können auch Sie aufblühen, indem Sie fragen: Wie tanzen wir mit diesen Rhythmen?

Beginnen Sie klein – vielleicht mit einem achtsamen Spaziergang Hand in Hand. Ihre Partnerschaft trägt die Stärke bereits in sich. Jetzt lassen Sie Verständnis den Weg erhellen.

Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkennen, lade ich Sie herzlich ein, den ersten Schritt zu machen:

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Patric Pförtner

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Psychologe M.Sc. Patric Pförtner

Über den Autor

Psychologe M.Sc. Patric Pförtner

M.Sc. Psychologe · Positive Psychologie · Online-Beratung

Als Psychologe liegt mir am Herzen, psychologisches Wissen verständlich und praxisnah zu vermitteln. Meine Artikel basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und meiner Erfahrung aus der Beratungspraxis – damit Sie konkrete Impulse für Ihr Leben mitnehmen können.

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