Die folgenden Geschichten basieren auf realen Erfahrungen aus meiner Praxis, wurden jedoch anonymisiert und verändert. Sie dienen als Inspiration für Veränderung und ersetzen keine professionelle Beratung.
Stellen Sie sich vor: Es ist ein ruhiger Sonntagabend. Sie sitzen auf der Bettkante, das Handy in der Hand, während Ihr Partner für eine Geschäftsreise packt. Die Tür fällt ins Schloss, und plötzlich fühlt sich der Raum unerträglich leer an. Die Stille wird zu einem Rauschen in Ihren Ohren. Ihr Herz rast: “Was, wenn etwas passiert? Was, wenn er nicht zurückkommt?”
Dieses Gefühl kennen viele von uns. Es ist mehr als nur Vermissen. Es ist eine Welle der Angst, die über uns hereinbricht.
In meiner langjährigen Arbeit als Psychologe für Paarberatung habe ich erlebt, wie Trennungsangst selbst die stärksten Beziehungen auf die Probe stellen kann. Es ist nicht nur ein kindliches Phänomen, wenn Mama den Raum verlässt. Diese Angst begleitet uns bis ins Erwachsenenalter und prägt, wie wir Nähe suchen oder fürchten.
In diesem Artikel erkläre ich Ihnen:
- Was Trennungsangst in Beziehungen bedeutet: Warum dieses Phänomen weit über die Kindheit hinausreicht und wie es sich bei Erwachsenen als Verlustangst manifestiert
- Die wichtigsten Anzeichen erkennen: Von übermäßiger Sorge über Kontrollverhalten bis hin zu Panikattacken bei Abwesenheit des Partners
- Ursachen verstehen: Wie Bindungsstile, vergangene Traumata und unsichere Beziehungsmuster diese Angst nähren
- Praktische Wege zur Bewältigung: Bewährte Strategien aus meiner therapeutischen Praxis für mehr Sicherheit und Vertrauen
Was ist Trennungsangst in Beziehungen?
Trennungsangst in Beziehungen ist die tiefsitzende Furcht, vom Partner getrennt zu sein. Was bei Kindern als normale Entwicklungsphase beginnt, kann sich bei Erwachsenen als ernsthafte emotionale Belastung manifestieren. In der Fachsprache sprechen wir von der Separation Anxiety Disorder bei Erwachsenen.
Es fühlt sich an wie ein innerer Alarm, der bei jeder Abwesenheit des Partners losgeht. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Geschäftsreise, einen Abend mit Freunden oder nur einen Gang zum Supermarkt handelt.
“Mein Herz rast jedes Mal, wenn Michael das Haus verlässt. Rational weiß ich, dass er nur zur Arbeit fährt. Aber mein Körper reagiert, als würde er mich für immer verlassen.”
So beschrieb es mir kürzlich eine Klientin. Und genau das macht Trennungsangst so belastend: Der Verstand weiß, dass alles in Ordnung ist, aber das Gefühl erzählt eine andere Geschichte.
In meiner Praxis beobachte ich oft, wie gesellschaftliche Erwartungen diese Angst verstärken. Uns wird vermittelt, dass wahre Liebe untrennbar ist. Doch wenn dieses Ideal auf die Realität trifft, wenn der Partner mal einen Abend ohne uns verbringt, kann das intensive Angst auslösen.
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Anzeichen von Trennungsangst erkennen
Trennungsangst kündigt sich selten laut an. Sie schleicht sich ein durch alltägliche Verhaltensweisen, die zunächst harmlos wirken. Doch mit der Zeit werden die Muster deutlicher.
Die häufigsten Warnsignale
Übermäßige Sorge bei Abwesenheit: Sie können nicht aufhören, an Ihren Partner zu denken, wenn er nicht da ist. Katastrophengedanken wie Unfälle oder Untreue drängen sich auf.
Kontrollverhalten: Ständiges Anrufen, Nachrichten schreiben, den Standort überprüfen. Nicht aus Misstrauen, sondern aus purer Angst.
Körperliche Symptome: Herzrasen, Magenschmerzen, Schlafstörungen, wenn der Partner nicht in der Nähe ist.
Vermeidung von Alleinsein: Sie planen Ihren Tag so, dass Sie möglichst wenig Zeit ohne Ihren Partner verbringen müssen.
Panikattacken: In extremen Fällen können Trennungssituationen echte Panikattacken auslösen.
Annas Geschichte: Wenn die Angst überhandnimmt
Anna, 34, kam in meine Praxis, weil ihre Beziehung zu Thomas unter ihrer Angst zu zerbrechen drohte.
“Jedes Mal, wenn Thomas zum Sport geht, sitze ich zu Hause und kann an nichts anderes denken”, erzählte sie mir. “Ich stelle mir vor, wie er sich auf dem Weg verletzt. Oder dass er jemand anderen kennenlernt. Mein Kopf weiß, dass das irrational ist. Aber mein Herz rast trotzdem.”
Thomas fühlte sich zunehmend eingeengt: “Ich liebe Anna, aber ich kann nicht mehr atmen. Sie ruft mich zehnmal an, wenn ich nur zwei Stunden weg bin. Ich fühle mich schuldig, wenn ich Zeit für mich brauche.”
“Ich fühle mich schuldig, wenn ich Zeit für mich brauche.”
In unseren gemeinsamen Sitzungen wurde deutlich, dass Annas Angst weit zurückreichte. Ihre Eltern hatten sich scheiden lassen, als sie neun Jahre alt war. Die Botschaft, die sie damals verinnerlicht hatte: Menschen, die du liebst, können plötzlich verschwinden.
Ursachen der Trennungsangst verstehen
Trennungsangst entsteht nicht über Nacht. Sie wurzelt oft in frühen Erfahrungen, die unser Bindungsverhalten geprägt haben.
Bindungsstile als Schlüssel
Die Bindungstheorie erklärt, warum manche Menschen anfälliger für Trennungsangst sind als andere.
Ängstlicher Bindungsstil: Menschen mit diesem Stil haben oft in der Kindheit erfahren, dass Bezugspersonen unzuverlässig waren. Sie suchen übermäßig viel Nähe und Bestätigung in Beziehungen.
Unsichere frühe Bindungen: Wenn Eltern emotional nicht verfügbar waren oder häufig abwesend, kann dies zu einem grundlegenden Gefühl der Unsicherheit führen.
Weitere Ursachen
- Frühere Verlusterfahrungen: Der Verlust eines geliebten Menschen, eine schmerzhafte Trennung oder das Verlassenwerden prägen unser Sicherheitsgefühl
- Traumatische Erlebnisse: Plötzliche Trennungen in der Kindheit, Krankenhausaufenthalte oder andere einschneidende Ereignisse
- Aktuelle Beziehungsunsicherheit: Konflikte, mangelnde Kommunikation oder fehlende Verbindlichkeit verstärken bestehende Ängste
Sarahs Wurzeln der Angst
Sarah, 41, verstand lange nicht, warum die Geschäftsreisen ihres Mannes Michael sie so aus der Bahn warfen.
“Ich bin doch eine erwachsene Frau”, sagte sie frustriert. “Warum kann ich nicht einfach ein paar Tage allein sein?”
In der Beratung erkundeten wir ihre Kindheit. Mit acht Jahren war Sarahs Zwillingsschwester bei einem Schulwechsel in eine andere Stadt gezogen. Diese plötzliche Trennung hatte tiefe Spuren hinterlassen.
“Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als Lisa wegzog. Ich stand am Fenster und sah zu, wie das Auto verschwand. Ich habe mich nie wieder so allein gefühlt wie in diesem Moment.”
Diese frühe Erfahrung hatte sich in Sarahs Unterbewusstsein festgesetzt. Jede Abwesenheit ihres Mannes aktivierte dieselbe alte Wunde.
Wie Trennungsangst Ihre Beziehung belastet
Trennungsangst betrifft nie nur eine Person. Sie wirkt sich auf die gesamte Beziehungsdynamik aus und kann beide Partner erschöpfen.
Für den Betroffenen: Ständige Wachsamkeit, emotionale Erschöpfung, Selbstzweifel. Das Leben wird dominiert von der Angst, verlassen zu werden.
Für den Partner: Das Gefühl, eingeengt zu werden, Schuldgefühle bei normalen Aktivitäten, wachsende Frustration und manchmal der Wunsch nach Distanz, der genau das Gegenteil bewirkt.
Für die Beziehung: Eine Dynamik aus Klammern und Zurückweichen entsteht. Intimität weicht Anspannung. Vertrauen wird durch Kontrolle ersetzt.
Ich habe Paare gesehen, bei denen die Trennungsangst eines Partners die Beziehung so sehr belastete, dass sie schließlich zerbrach. Nicht weil die Liebe fehlte, sondern weil die Angst zu viel Raum einnahm.
Doch hier ist die gute Nachricht: Mit Bewusstsein und den richtigen Werkzeugen kann Trennungsangst überwunden werden. Sie kann sogar zum Katalysator für tiefere Verbundenheit werden.
Wege zur Bewältigung: Praktische Strategien
Der Umgang mit Trennungsangst erfordert Geduld, Selbstmitgefühl und oft professionelle Unterstützung. Hier sind bewährte Strategien aus meiner therapeutischen Praxis.
1. Erkennen und benennen
Der erste Schritt ist die ehrliche Anerkennung: “Ja, ich habe Trennungsangst.” Sprechen Sie mit Ihrem Partner darüber. Nicht als Vorwurf, sondern als Einladung zur gemeinsamen Lösung.
“Ich merke, dass ich sehr unruhig werde, wenn du nicht da bist. Das hat nichts mit dir zu tun, sondern mit meinen alten Ängsten. Kannst du mir helfen?“
2. Professionelle Unterstützung suchen
Zögern Sie nicht, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Kognitive Verhaltenstherapie hat sich bei Trennungsangst als besonders wirksam erwiesen. Sie hilft, negative Gedankenmuster zu erkennen und zu verändern.
3. Atemübungen und Achtsamkeit
Wenn die Angst aufsteigt, können einfache Techniken helfen:
Die 4-7-8-Atmung: Einatmen für 4 Sekunden, Atem anhalten für 7 Sekunden, ausatmen für 8 Sekunden. Diese Übung beruhigt das Nervensystem und unterbricht den Angstkreislauf.
4. Eigene Aktivitäten pflegen
Bauen Sie bewusst Zeiten ein, in denen Sie allein etwas Schönes tun. Lesen Sie ein gutes Buch, gehen Sie spazieren, pflegen Sie ein Hobby. Dies stärkt Ihr Gefühl der Eigenständigkeit.
5. Soziale Kontakte erweitern
Investieren Sie in Freundschaften und Familienbeziehungen. Je breiter Ihr soziales Netz, desto weniger lastet alles auf der einen Partnerschaft.
6. Kleine Trennungen üben
Beginnen Sie mit kurzen Abwesenheiten und steigern Sie diese langsam. Jede positive Erfahrung stärkt das Vertrauen, dass Trennung nicht Verlust bedeutet.
Michaels und Julias Durchbruch
Michael und Julia kamen als Paar in meine Praxis. Julias Trennungsangst hatte die Beziehung an den Rand des Scheiterns gebracht.
“Ich konnte nicht mehr”, gestand Michael. “Jede Dienstreise wurde zum Drama. Julia hat mich nachts angerufen und geweint. Ich habe angefangen, Reisen abzusagen, aber das hat auch nicht geholfen.”
In der Beratung lernten beide, die Dynamik zu verstehen. Julia erkannte, dass ihre Angst aus ihrer Kindheit stammte, als ihr Vater die Familie plötzlich verlassen hatte. Michael lernte, Julias Angst nicht als Angriff auf seine Freiheit zu sehen, sondern als Ausdruck ihrer tiefen Liebe und alten Wunden.
Gemeinsam entwickelten sie Strategien: Feste Anrufzeiten während Michaels Reisen, die Julia Sicherheit gaben. Atemübungen, die Julia bei aufkommender Panik halfen. Und die Vereinbarung, dass Michael bei seiner Rückkehr bewusst Zeit für Nähe einplante.
Nach einigen Monaten berichtete Julia: “Letzte Woche war Michael drei Tage weg. Ich war traurig, aber nicht panisch. Ich habe mich sogar mit meiner Schwester getroffen und es genossen. Das hätte ich mir vor einem Jahr nicht vorstellen können.”
Trennungsangst ist überwindbar
Trennungsangst in Beziehungen ist real und belastend. Aber sie ist kein Schicksal. Mit dem richtigen Verständnis, gegenseitiger Unterstützung und oft professioneller Begleitung können Sie lernen, Ihre Ängste zu bewältigen und eine sichere, vertrauensvolle Bindung aufzubauen.
Der erste Schritt beginnt heute. Vielleicht damit, dass Sie diesen Artikel mit Ihrem Partner teilen. Oder damit, dass Sie einen Termin für ein Erstgespräch buchen.
Sie verdienen eine Beziehung, in der Sie sich sicher fühlen. Auch wenn Ihr Partner mal nicht an Ihrer Seite ist.
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Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Patric Pförtner
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