Die folgenden Geschichten basieren auf realen Erfahrungen aus meiner Praxis, wurden jedoch anonymisiert und verändert. Sie dienen als Inspiration für Veränderung und ersetzen keine professionelle Beratung.
Co-Abhängigkeit ist ein psychologisches Muster, bei dem eine Person ihre eigenen Bedürfnisse, Gefühle und ihr Selbstwertgefühl vollständig von der Beziehung zu einem anderen Menschen abhängig macht. Die 15 Hauptwarnsignale umfassen: übermäßige Verantwortung für andere, Schwierigkeiten Grenzen zu setzen, niedriges Selbstwertgefühl, das Bedürfnis nach Kontrolle, Angst vor Ablehnung, Vernachlässigung eigener Bedürfnisse und die Unfähigkeit, ohne den Partner zu funktionieren.
“Ich kann nicht ohne ihn.” Diese vier Worte höre ich als Psychologe erschreckend oft in meiner Praxis. Sie klingen nach Liebe, nach Verbundenheit, nach Romantik. Doch in Wahrheit sind sie oft das Symptom eines tiefen psychologischen Problems: Co-Abhängigkeit.
Stellen Sie sich vor: Es ist ein Dienstagabend, und Anna sitzt in meiner Online-Sprechstunde. Ihre Hände zittern leicht, während sie mir erzählt, dass sie zum dritten Mal in diesem Monat ihre eigene Fortbildung abgesagt hat – weil Michael, ihr Partner, sich unwohl fühlte und jemanden zum Reden brauchte.
“Aber er braucht mich doch”, sagt sie mit einer Stimme, die zwischen Überzeugung und Verzweiflung schwankt. In diesem Moment sehe ich nicht nur Anna, sondern unzählige Menschen, die in der unsichtbaren Falle der Co-Abhängigkeit gefangen sind.
In über einem Jahrzehnt als Psychologe für Paarberatung habe ich gelernt: Co-Abhängigkeit ist wie ein Chamäleon – sie tarnt sich als Fürsorge, als Liebe, als Hingabe. Doch unter dieser Oberfläche verbirgt sich ein Muster, das beide Partner langsam erstickt. Der eine verliert sich selbst, der andere wird in eine Rolle gedrängt, die er nie wählen wollte.
Was ist Co-Abhängigkeit wirklich?
Bevor wir zu den 15 Warnsignalen kommen, lassen Sie uns verstehen, was Co-Abhängigkeit eigentlich bedeutet. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Suchtforschung – er beschrieb Partner und Angehörige von Suchtkranken, die ihr ganzes Leben um die Sucht des anderen herum organisierten.
Heute wissen wir: Co-Abhängigkeit geht weit darüber hinaus. Es ist ein dysfunktionales Beziehungsmuster, bei dem eine Person so sehr in die Probleme, Gefühle und Bedürfnisse des anderen verstrickt ist, dass sie ihre eigene Identität verliert.
“In gesunden Beziehungen ergänzen sich zwei Menschen. In co-abhängigen Beziehungen verschmelzen sie – und dabei geht etwas Essentielles verloren: das Selbst.”
Lassen Sie mich Ihnen von Sarah erzählen, einer 34-jährigen Lehrerin, die vor einem Jahr in meine Praxis kam. Sarah hatte immer gedacht, sie sei einfach eine “fürsorgliche Person”. Sie kochte täglich für ihren Partner Thomas, obwohl sie nach einem 10-Stunden-Arbeitstag erschöpft nach Hause kam. Sie managte seine Finanzen, seine Arzttermine, sogar seine Beziehung zu seiner Mutter.
“Ich dachte, das macht man so in einer Beziehung”, erzählte sie mir mit einem müden Lächeln. “Aber warum fühle ich mich dann so… leer?”
Diese Leere ist das Symptom eines tiefen Ungleichgewichts. In der Psychologie sprechen wir von einer “Ich-Entgrenzung” – die eigenen Grenzen verschwimmen, und es entsteht eine Symbiose, die toxisch wird.
Die psychologischen Wurzeln der Co-Abhängigkeit
Bevor wir uns die 15 Warnsignale ansehen, ist es wichtig zu verstehen: Co-Abhängigkeit entsteht nicht über Nacht. Sie hat tiefe Wurzeln, oft in der Kindheit.
Viele meiner Klienten mit co-abhängigen Mustern berichten von ähnlichen Kindheitserfahrungen:
- Ein Elternteil war emotional nicht verfügbar
- Sie mussten früh Verantwortung für jüngere Geschwister oder sogar für die Eltern übernehmen
- Liebe war an Bedingungen geknüpft: “Ich liebe dich, wenn du brav bist”
- Sie lernten, dass ihre Bedürfnisse unwichtig sind
Michael, ein 42-jähriger IT-Spezialist, erkannte in unseren Gesprächen ein Muster: “Meine Mutter war depressiv. Schon als Kind fühlte ich mich dafür verantwortlich, dass es ihr gut geht. Ich habe meine eigenen Wünsche zurückgestellt, um sie nicht zu belasten.”
Diese frühen Erfahrungen prägen uns. Sie formen die Art, wie wir Beziehungen verstehen und leben. Doch die gute Nachricht ist: Muster können erkannt und verändert werden.
Kommt Ihnen das bekannt vor?
Als erfahrener Psychologe für Paarberatung unterstütze ich Sie dabei, co-abhängige Muster zu erkennen und gesündere Beziehungen aufzubauen. In einem unverbindlichen Erstgespräch können wir gemeinsam Ihre Situation besprechen.
Die 15 Warnsignale der Co-Abhängigkeit
Nun kommen wir zum Kern: den 15 Anzeichen, die auf Co-Abhängigkeit hindeuten. Wichtig: Nicht jedes dieser Zeichen bedeutet automatisch Co-Abhängigkeit. Aber je mehr dieser Muster Sie bei sich erkennen, desto dringender sollten Sie professionelle Hilfe in Betracht ziehen.
1. Sie definieren Ihren Wert über die Beziehung
“Ich bin nur etwas wert, wenn ich gebraucht werde.” Dieser Gedanke ist das Fundament der Co-Abhängigkeit.
Anna, die ich eingangs erwähnte, sagte mir einmal: “Wenn Michael nicht mehr mit mir zusammen sein will, bin ich nichts. Mein Leben hätte keinen Sinn mehr.” Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie das aussprach.
In gesunden Beziehungen ergänzen Partner einander. In co-abhängigen Beziehungen glaubt eine Person, ohne den anderen nicht existieren zu können. Das ist kein romantisches Ideal – es ist ein psychologisches Warnsignal.
2. Sie haben Schwierigkeiten, “Nein” zu sagen
Können Sie sich erinnern, wann Sie das letzte Mal “Nein” zu Ihrem Partner gesagt haben, ohne sich schuldig zu fühlen?
Für co-abhängige Menschen ist “Nein” mehr als ein Wort – es ist eine unerträgliche Belastung. Die Angst vor Zurückweisung ist so groß, dass sie lieber ihre eigenen Bedürfnisse opfern.
Laura, eine 28-jährige Grafikdesignerin, erzählte mir: “Letzte Woche wollte ich endlich mal früh ins Bett, weil ich völlig erschöpft war. Aber dann rief Felix an und wollte über seinen Tag reden. Ich konnte einfach nicht auflegen. Wir telefonierten bis 2 Uhr nachts, und ich war am nächsten Tag wie gerädert.”
“Was hielt dich davon ab zu sagen, dass du schlafen musst?”, fragte ich sie.
“Die Angst, dass er denkt, ich sei egoistisch. Dass ich ihm nicht wichtig bin”, antwortete sie mit gesenktem Blick.
3. Sie übernehmen Verantwortung für die Gefühle anderer
Ein klassisches Muster: Wenn Ihr Partner schlecht gelaunt ist, fühlen Sie sich verantwortlich, das zu “reparieren”.
“Wenn Claudia traurig ist, ist es meine Aufgabe, sie aufzuheitern”, erklärte mir Jonas, ein 36-jähriger Buchhalter. “Ich kann nicht entspannen, wenn es ihr nicht gut geht. Ich fühle mich schuldig, als hätte ich etwas falsch gemacht.”
Dieses Muster ist tückisch, weil es als Empathie getarnt ist. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied:
- Empathie bedeutet: “Ich verstehe, dass du traurig bist, und ich bin für dich da.”
- Co-Abhängigkeit bedeutet: “Deine Traurigkeit ist mein Versagen, und ich muss sie wegmachen.”
Der Unterschied liegt in der Verantwortung. In gesunden Beziehungen tragen wir Verantwortung für unsere eigenen Gefühle – und unterstützen den anderen dabei, für seine einzustehen.
4. Ihre Identität verschwimmt
“Wer bin ich eigentlich?” Diese Frage höre ich oft von Menschen in co-abhängigen Beziehungen.
Sophia, eine 31-jährige Krankenschwester, beschrieb es so: “Früher habe ich Yoga geliebt, bin gerne wandern gegangen, habe mit Freunden gekocht. Aber Daniel mag das alles nicht. Also habe ich damit aufgehört. Jetzt verbringen wir unsere Freizeit mit seinen Hobbys: Fußball schauen, Gaming, mit seinen Freunden abhängen.”
Sie machte eine Pause, und ihre Stimme wurde leiser: “Neulich fragte mich eine Kollegin, was ich gerne mache. Ich konnte ihr keine Antwort geben. Ich wusste es einfach nicht mehr.”
Diese Selbstaufgabe ist ein schleichender Prozess. Es beginnt mit kleinen Kompromissen, die sich normal anfühlen. Doch irgendwann blicken Sie in den Spiegel und erkennen sich selbst nicht mehr.
5. Sie brauchen ständige Bestätigung
Das Handy vibriert. Ihr Herz macht einen Sprung – ist es eine Nachricht von ihm? Wenn nicht, sinkt die Stimmung. Wenn ja, durchströmt Sie Erleichterung.
Dieses ständige Auf und Ab, diese emotionale Achterbahn, ist typisch für Co-Abhängigkeit. Der eigene emotionale Zustand hängt davon ab, wie der Partner reagiert.
“Ich checke mein Handy alle fünf Minuten”, gestand mir Tim, ein 29-jähriger Softwareentwickler. “Wenn Emma nicht sofort antwortet, fange ich an zu grübeln: Ist sie sauer? Habe ich etwas falsch gemacht? Liebt sie mich noch?”
Diese Abhängigkeit von externer Bestätigung ist erschöpfend – für beide Partner.
6. Sie vernachlässigen Ihre eigenen Bedürfnisse
Wann haben Sie das letzte Mal etwas nur für sich getan? Ohne schlechtes Gewissen, ohne den Gedanken daran, wie es Ihrem Partner dabei geht?
Marina, eine 38-jährige Rechtsanwältin, erzählte mir: “Ich gehe nicht mehr zum Sport, obwohl ich weiß, dass es mir guttut. Ich treffe meine beste Freundin nicht mehr, weil Stefan dann allein zu Hause ist. Selbst einen freien Abend für mich fühlt sich an wie Verrat.”
Selbstfürsorge ist keine Selbstsucht. Doch in co-abhängigen Beziehungen wird sie genau so empfunden. Das eigene Wohlbefinden wird als etwas Egoistisches, Schuldiges wahrgenommen.
7. Sie haben Angst vor Konflikten
“Bloß keinen Streit.” Dieser Gedanke beherrscht co-abhängige Menschen.
Konflikte sind in jeder Beziehung normal und sogar gesund – sie sind eine Gelegenheit, Missverständnisse zu klären und zu wachsen. Doch co-abhängige Menschen vermeiden Konflikte um jeden Preis, aus Angst, die Beziehung zu gefährden.
“Wenn ich etwas anspreche, das mich stört, könnte Lena sich von mir trennen”, erklärte mir David, ein 33-jähriger Lehrer. “Also schlucke ich es runter. Selbst wenn ich innerlich explodiere.”
Diese Konfliktscheu führt zu passiver Aggressivität, aufgestauter Wut und dem Gefühl, nicht gehört zu werden.
8. Sie versuchen, Ihren Partner zu kontrollieren
Paradoxerweise geht Co-Abhängigkeit oft mit Kontrollverhalten einher. Weil die eigene emotionale Stabilität vom Partner abhängt, entsteht der verzweifelte Versuch, ihn zu kontrollieren.
“Ich checke Karins Handy, wenn sie duscht”, gestand mir Robert, 41. “Nicht weil ich ihr nicht vertraue – ich muss nur sichergehen, dass alles in Ordnung ist. Dass sie glücklich ist. Dass ich nichts übersehe.”
Diese Kontrolle ist kein Zeichen von Stärke, sondern von tiefer Unsicherheit. Es ist der Versuch, Chaos zu vermeiden, das nur in der eigenen Vorstellung existiert.
9. Sie fühlen sich für die Probleme Ihres Partners verantwortlich
Hat Ihr Partner Stress im Job? Fühlen Sie sich verpflichtet, eine Lösung zu finden. Hat er Streit mit seiner Familie? Sie müssen es richten.
Nina, eine 26-jährige Studentin, beschrieb es so: “Wenn Marc Probleme hat, kann ich nicht schlafen. Ich liege nachts wach und überlege, wie ich ihm helfen kann. Ich recherchiere, mache Pläne, will alles für ihn regeln.”
“Und was passiert, wenn du ihm deine Lösungen präsentierst?”, fragte ich.
“Meist ist er genervt. Er sagt, ich würde ihn bevormunden”, antwortete sie traurig. “Aber ich will ihm doch nur helfen.”
Hier zeigt sich das Paradox: Der Versuch zu helfen, wird als Kontrollbedürfnis wahrgenommen. Echte Unterstützung bedeutet, da zu sein – nicht, die Probleme des anderen zu übernehmen.
10. Sie bleiben, obwohl die Beziehung toxisch ist
Eines der schmerzlichsten Anzeichen: Sie wissen, dass die Beziehung Ihnen schadet, können sich aber nicht lösen.
“Ich weiß, dass es nicht gut ist”, sagte mir Katharina, eine 35-jährige Apothekerin. “Meine Schwester sagt mir das, meine beste Freundin auch. Ich sehe es selbst. Aber wenn ich daran denke, ihn zu verlassen, bekomme ich Panik. Was, wenn ich niemanden mehr finde? Was, wenn ich allein nicht klarkomme?”
Diese Angst ist tief verwurzelt. Sie basiert oft auf einem fundamentalen Glaubenssatz: “Ich bin allein nicht lebensfähig.” Doch genau das Gegenteil ist wahr – wir alle tragen die Kraft in uns, unser Leben selbst zu gestalten.
11. Sie kommunizieren indirekt
Statt klar zu sagen, was Sie brauchen, hoffen Sie, dass Ihr Partner es errät. Oder Sie äußern Ihre Bedürfnisse durch Andeutungen, Vorwürfe oder passiv-aggressive Kommentare.
“Ich sage nicht direkt, dass ich enttäuscht bin”, erklärte mir Lukas, ein 30-jähriger Physiotherapeut. “Aber ich werde still, ziehe mich zurück. Ich hoffe, dass Julia merkt, dass etwas nicht stimmt.”
“Und merkt sie es?”, fragte ich.
“Manchmal. Aber dann streiten wir, weil sie sich manipuliert fühlt. Sie sagt, ich solle doch einfach sagen, was los ist.” Er seufzte. “Aber das kann ich nicht. Ich habe Angst, dass sie dann denkt, ich sei anstrengend.”
Diese Art der Kommunikation schafft Missverständnisse und Frustration auf beiden Seiten.
12. Ihre Stimmung hängt von der Stimmung Ihres Partners ab
Wenn Ihr Partner einen guten Tag hat, strahlen Sie. Wenn er schlecht gelaunt ist, stürzen Sie ab. Ihre emotionale Stabilität ist direkt an seine gekoppelt.
“Morgens wache ich auf und das Erste, was ich mache, ist zu schauen, wie Olivias Laune ist”, beschrieb mir Fabian, ein 39-jähriger Architekt. “Wenn sie lächelt, ist mein Tag gerettet. Wenn sie mürrisch ist, weiß ich, dass es ein schwerer Tag wird.”
Diese emotionale Symbiose ist erschöpfend. Sie raubt beiden Partnern die Freiheit, einfach zu sein – mit all den Höhen und Tiefen, die zum Menschsein dazugehören.
13. Sie opfern Ihre Werte und Überzeugungen
In co-abhängigen Beziehungen beginnen Menschen oft, ihre eigenen Werte zu verraten – um die Beziehung zu erhalten.
Melanie, eine 32-jährige Journalistin, erzählte mir: “Ich war immer gegen Lügen. Ehrlichkeit war mir heilig. Aber Patrick lügt ständig – bei kleinen Dingen, bei großen Dingen. Und ich? Ich decke ihn. Ich lüge mit. Ich erkenne mich selbst nicht mehr.”
Sie machte eine Pause, Tränen liefen über ihre Wangen. “Wer bin ich geworden?”
Diese Frage berührt den Kern der Co-Abhängigkeit: den Verlust des Selbst.
14. Sie fühlen sich verantwortlich für das Glück Ihres Partners
“Wenn er unglücklich ist, habe ich versagt.” Dieser Gedanke ist toxisch, aber in co-abhängigen Beziehungen allgegenwärtig.
“Ich plane jedes Wochenende perfekt”, erzählte mir Sabine, eine 37-jährige Projektmanagerin. “Ich will, dass Tobias glücklich ist. Wenn ihm etwas nicht gefällt, fühle ich mich schrecklich. Als hätte ich ihn im Stich gelassen.”
Doch Glück kann niemand für einen anderen Menschen schaffen. Jeder ist für sein eigenes Wohlbefinden verantwortlich. Ein Partner kann bereichern, inspirieren, unterstützen – aber er kann nicht die innere Leere eines anderen füllen.
15. Sie haben Ihr eigenes Leben aufgegeben
Das vielleicht deutlichste Zeichen: Ihr Leben dreht sich nur noch um den Partner. Eigene Freundschaften, Hobbys, Ziele – alles wurde aufgegeben oder zweitrangig.
“Früher hatte ich ein Leben”, sagte mir Henrik, ein 44-jähriger Ingenieur mit gebrochener Stimme. “Ich war im Chor, spielte Schach, traf mich mit Freunden zum Klettern. Jetzt? Nichts davon. Alles ist Isabella. Ihre Bedürfnisse, ihre Probleme, ihre Wünsche.”
“Und vermisst du dein altes Leben?”, fragte ich vorsichtig.
“Jeden Tag”, flüsterte er. “Aber ich weiß nicht, wie ich zurückkomme. Ich habe vergessen, wie es geht.”
Der Weg aus der Co-Abhängigkeit
Co-Abhängigkeit zu erkennen ist der erste, entscheidende Schritt. Doch wie findet man den Weg hinaus?
Die gute Nachricht ist: Veränderung ist möglich. Ich habe unzählige Menschen begleitet, die es geschafft haben, co-abhängige Muster zu durchbrechen und gesündere Beziehungen aufzubauen – zu anderen und zu sich selbst.
Schritt 1: Erkennen und akzeptieren
Der erste Schritt ist das Anerkennen des Problems. Nicht mit Scham oder Schuld, sondern mit Mitgefühl für sich selbst. Co-Abhängigkeit ist ein erlerntes Muster – und was erlernt wurde, kann auch verlernt werden.
Schritt 2: Grenzen setzen lernen
Grenzen sind nicht egoistisch – sie sind lebensnotwendig. Sie definieren, wo Sie aufhören und der andere beginnt. In meiner Praxis arbeiten wir daran, diese Grenzen zu erkennen und zu kommunizieren.
Anna, die ich am Anfang erwähnte, begann mit kleinen Schritten: Sie nahm sich jeden Donnerstagabend Zeit für sich, ohne Verhandlungen. Am Anfang fühlte es sich falsch an, fast schmerzhaft. Aber nach einigen Wochen sagte sie: “Ich spüre wieder, wer ich bin.”
Schritt 3: Selbstwert aufbauen
Der Kern der Co-Abhängigkeit ist oft ein geringes Selbstwertgefühl. Therapeutische Arbeit zielt darauf ab, diesen inneren Wert wiederzufinden – unabhängig von äußerer Bestätigung.
Schritt 4: Eigene Bedürfnisse ernst nehmen
Was brauchen Sie? Was wünschen Sie sich? Diese Fragen klingen einfach, aber für co-abhängige Menschen sind sie revolutionär.
In unseren Sitzungen üben wir, diese Bedürfnisse zu artikulieren und für sie einzustehen.
Schritt 5: Professionelle Unterstützung suchen
Co-Abhängigkeit allein zu überwinden ist möglich, aber schwer. Ein Therapeut kann den Prozess begleiten, Muster aufdecken und Werkzeuge vermitteln.
Kann eine co-abhängige Beziehung gerettet werden?
Das ist eine Frage, die mir oft gestellt wird. Die Antwort ist: Ja, aber nur unter bestimmten Bedingungen.
Beide Partner müssen bereit sein, an sich zu arbeiten. Der co-abhängige Partner muss lernen, sich selbst zu priorisieren. Der andere Partner muss lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und den Raum für Veränderung zu geben.
Sarah und Thomas, die ich früher erwähnte, sind ein Beispiel dafür. Nach einem Jahr Paartherapie haben sie ihre Dynamik grundlegend verändert. Sarah hat wieder angefangen zu zeichnen, trifft sich regelmäßig mit Freundinnen. Thomas kümmert sich selbst um seine Termine und Finanzen.
“Es war nicht einfach”, sagte Sarah in unserer letzten Sitzung. “Am Anfang hatte ich das Gefühl, egoistisch zu sein. Thomas fühlte sich zurückgewiesen. Aber jetzt? Wir sind beide freier. Und unsere Liebe fühlt sich echter an.”
Wenn Loslassen die gesündere Option ist
Manchmal ist die Antwort aber auch eine andere: Manchmal ist es gesünder, die Beziehung zu beenden.
Das ist keine Niederlage. Es ist ein Akt der Selbstfürsorge, der Mut und Stärke erfordert.
Katharina, die ich erwähnte, hat diesen Schritt gewagt. Nach Monaten der Beratung fand sie die Kraft, sich zu trennen. “Die ersten Wochen waren die Hölle”, erzählte sie mir. “Ich fühlte mich verloren, leer. Aber dann, langsam, begann ich mich selbst wiederzufinden. Und heute, ein Jahr später, bin ich dankbar. Ich habe mein Leben zurück.”
Fazit: Den Mut zur Veränderung finden
Co-Abhängigkeit ist kein Schicksal. Sie ist ein Muster, das verändert werden kann. Aber Veränderung erfordert Mut – den Mut, sich selbst zu priorisieren, Grenzen zu setzen, Nein zu sagen.
Wenn Sie sich in diesen 15 Warnsignalen wiedererkennen, ist das kein Grund zur Scham. Es ist ein Weckruf, eine Einladung zur Transformation.
Sie verdienen eine Beziehung, in der Sie Sie selbst sein können. Eine Beziehung, die Sie nährt, nicht auslaugt. Eine Beziehung, in der Liebe nicht bedeutet, sich selbst aufzugeben.
Der erste Schritt ist oft der schwerste. Aber er ist auch der wichtigste. Nehmen Sie ihn heute.
“In einer gesunden Beziehung verlieren wir uns nicht im anderen – wir finden uns selbst, gemeinsam.”
Ihr nächster Schritt zur Heilung
Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkennen, lade ich Sie herzlich ein, den ersten Schritt zu machen. Als erfahrener Psychologe für Paarberatung und Einzelberatung begleite ich Sie einfühlsam auf Ihrem Weg aus der Co-Abhängigkeit.
Auf HalloPsychologe.de biete ich Online-Beratung an – abends und am Wochenende, damit Sie Unterstützung bekommen, wenn Sie sie brauchen.
Mehr Impulse und praktische Tipps finden Sie auf meinem YouTube-Kanal @PsychPatric oder folgen Sie mir auf Instagram @psypatric für tägliche Inspiration.
Sie sind nicht allein. Und Sie verdienen ein Leben, in dem Sie sich selbst nicht verlieren.
Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Patric Pförtner
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